Zwolfter Vortrag
Wir können sagen, der Mensch setzt der Welt zwei ganz verschiedene Organisationen entgegen. Dem geistigen Leben setzt er sein Haupt entgegen, dem wirtschaftlichen Leben seinen übrigen Organismus. Der übrige Organismus zeigt aber schon seine Abhängigkeit von der menschlichen Außenwelt durch seine rein natürliche Beschaffenheit. Denken Sie sich: in bezug auf den übrigen Organismus ist das Menschengeschlecht in Männer und Frauen gespalten, und daß die Welt als Menschengeschlecht Bestand hat, rührt von dem Zusammenwirken von Männern und Frauen her. Also hier haben Sie schon das Urbild des sozialen Zusammenwirkens. Dasjenige, was die Hauptesorganisation ist, das ist nicht irgendwie angewiesen darauf, mit anderem in der Weise zusammenzuwirken, daß die Betätigungen aneinandergefügt werden, sondern da geben wir dasjenige, was das Haupt produziert, an die anderen Menschen ab, überschütten gleichsam die anderen Menschen. Dieses Ausgestalten von Assoziationen, dieses Zusammenleben mit anderen Menschen in Assoziationen, das ist nur, ich möchte sagen, eine weitere Ausgestaltung des Zusammenlebens, in das der Mensch eintritt durch seine übrige Organisation, abgesehen vom Haupte. Da tritt etwas ganz anderes in der Welt auf, als auftritt durch unsere Hauptesorganisation. Da kommt das in Betracht, wovon wir sagen müssen: Wir bekommen es im eminenten Sinne erst, indem wir uns hier in diese physische Welt eingliedern. — Zunächst wird dieser andere Teil der menschlichen Organisation eigentlich nur so geboren, daß er in seiner astralen Art vorhanden ist: Begehren ohne Weisheit. Während das Haupt nicht Begierde entwickelt, erst heranerzogen werden muß, die Welt erkennend zu begehren, entwickelt der Mensch durch seinen übrigen Organismus die Begierde, die aber nicht von Weisheit durchzogen ist, die ihre Weisheit sich erst im Zusammenleben mit dem Haupte suchen muß.
Cite:
GA 198/1920-07-09/p022 · edition original