Zwolfter Vortrag
So ernst liegen heute die Dinge. Ich muß sagen, wenn man die Dinge heute ernst nimmt, dann muß man auf sie wohl hinschauen. Ich hatte in Stuttgart vor der Studentenschaft der Technischen Hochschule dortselbst einen Vortrag über unsere Geisteswissenschaft zu halten, und ich weiß, mit welchen Gefühlen ich zu diesem Vortrag ging, durchaus durchdrungen von alledem, was einem als Empfindung sich auf die Seele legen kann aus der Wirkung des Spenglerschen Buches auf die heutige Jugend heraus. Aber das ist ja alles eben hinweisend auf eine Tatsache: die Initiationsweisheit, sie muß ihren Einzug halten in die äußere geistige Kultur. Ohne das kommen wir nicht vorwärts. Auf der anderen Seite liegen die Schwierigkeiten, die dem entgegenstehen. Man ist ja heute, indem man von den Dingen redet, die notwendig sind, nicht immer in der Lage, leicht die Worte zu finden. Ich sage wohl auch mit diesem Satze etwas Paradoxes. Wann hätte man leichter Worte gefunden als heute! Sie brauchen nur die landläufige feuilletonistische Literatur durchzusehen, dasjenige, was die meisten Menschen aus der Zeitung heute anführen. Wo man für das schriftstellerisch sorgt, da findet man wahrhaftig leicht die Worte, da hat man es nicht schwer, die Worte zu finden. Lassen Sie mich ein Beispiel anführen, wahrhaftig nicht aus irgendeiner Albernheit heraus, sondern um eben die Gegenwart zu charakterisieren.
Cite:
GA 198/1920-07-09/p034 · edition original