Dreizehnter Vortrag

GA 198/1920-07-10/p003 ·1920-07-10 · original (original)
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Ich möchte Ihnen heute aus der ganzen Ideenfolge heraus, aus der die hier jetzt angestellten Betrachtungen gehalten werden, etwas mehr Spezielles vorbringen, um es dann morgen nach einem allgemeineren Gesichtspunkte hin zu erweitern. Sie haben ja entnommen aus den Betrachtungen, die wir hier schon seit längerer Zeit pflegen, daß es sich für die Auffrischung der niedergehenden Kultur des Abendlandes darum handelt, aus geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus eine wirkliche Menschenerkenntnis zu entwickeln. Diese Menschenerkenntnis ist ja durch lange Zeiten hindurch verhindert worden. In der Gestalt, wie sie für die zukünftige Entwickelung der Menschheit gebraucht werden wird, ist sie verhindert worden zunächst durch jene Art des Geisteslebens, welche heraufgekommen ist im 13., 14. mittelalterlichen Jahrhundert, dann wiederum durch die immer mehr nach dem Materialismus sich hinbewegende Geistesströmung der Zeit von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wir haben auf der einen Seite sich entwickeln sehen eine abgezogene, weltfremde, religiös gefärbte Anschauungsart, welche das Geistige von der Welt abtrennte, es nicht herankommen ließ an den Menschen und daher den Menschen seinem Wesen nach unerklärt ließ. Man möchte sagen: In den letzten Jahrhunderten des vierten nachatlantischen Zeitraums, in den letzten Jahrhunderten der griechisch-lateinischen Entwickelung bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts gewöhnte sich die Menschheit immer mehr und mehr, zu einem ganz weltfremden Göttlich-Geistigen emporzuschauen, und verlor die Möglichkeit, das Menschliche hier selbst in seinem göttlichen Ursprunge kennenzulernen. Dann kam die Zeit, in der die Menschheit den Blick richtete auf das Untermenschliche, auf das, was Naturprinzipien sind, die aber nur alles dasjenige von der Welt erklärlich machten, was nicht Mensch ist, das Mineralische, das Pflanzliche, das Tierische, und auf diese Art wiederum den Menschen unerklärt ließ, so daß also gewissermaßen in einer älteren Zeit dastand ein Hinaufschauen nach einem fremden Geistigen, von der späteren Zeit bis in unsere Tage hinein ein Hinschauen nach einem untermenschlichen Materiellen. Der Mensch fiel zwischendrinnen durch. Den Menschen wiederum geistig-seelisch voll ins Auge zu fassen, das ist einmal die Aufgabe unserer Zeit, und dazu haben wir ja versucht, in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft immer mehr und mehr Elemente heranzutragen.

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