Dreizehnter Vortrag

GA 198/1920-07-10/p005 ·1920-07-10 · original (original)
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Der andere Pol des inneren Erlebens sind die Erinnerungsvorstellungen. Wer nun wirklich Seelenkunde, Psychologie treibt, nicht jene Wortkunst, die man heute an den Universitäten oftmals als Psychologie betreibt, der weiß, daß diese Erinnerungsvorstellungen, die wir haben, substantiell genau dasselbe sind wie die Phantasievorstellungen, die wir uns gewissermaßen frei schaffend bilden, nur daß wir dieselbe Kraft, die wir in dem Weben der Phantasievorstellung anwenden, anders verwenden beim Erinnern. Indem wir uns erinnern, indem wir unser Gedächtnis pflegen, leben wir schließlich in demselben Elemente wie beim Phantasieschaffen, nur daß wir anknüpfen an dasjenige, was wir durch die Sinne oder überhaupt durch das Leben erfahren haben und so die «Phantasmen» in der Erinnerung gesetzmäßig gestalten, während wir sie in der Phantasie frei schweifen lassen. Das ist im inneren Erleben der andere Pol.

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