Dreizehnter Vortrag

GA 198/1920-07-10/p008 ·1920-07-10 · original (original)
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In dem, was ich Ihnen jetzt mehr oder weniger abstrakt auseinandergesetzt habe, bergen sich die tiefsten Lebensrätsel, und wir kommen an diese Lebensrätsel heran, indem wir verschiedenes von dem heute zusammennehmen, was zerstreut ist in unseren anthroposophischen Betrachtungen. Die Ideenwelt, abstrakt erscheint sie uns, bildhaft erscheint sie uns! Wo gebrauchen wir sie denn zunächst? Wir gebrauchen sie, wenn wir dasjenige, was von der Außenwelt auf unsere Sinne wirkt — Farben, Töne, Wärme und Kälte -, wenn wir das denkend durchdringen. Wir durchdringen unsere Wahrnehmungen denkend. Sie finden ja das Genauere ausgeführt in meinen Büchern «Wahrheit und Wissenschaft» und in der «Philosophie der Freiheit». Wenn wir die Wahrnehmungen denkend durchdringen, dann gebrauchen wir diese Ideenwelt, um sie gewissermaßen hineinzuprägen in unser geistig-seelisches Erleben, in dasjenige, was wir als Wahrnehmungswelt haben. Aber man muß doch etwas genauer auf das hinsehen, was da eigentlich geschieht. Und das kann man, wenn man durch die geisteswissenschaftlichen Methoden seine eigenen Seelenfähigkeiten zurechtlenkt, so wie das in meinen Büchern verschiedentlich beschrieben ist. Man kann nämlich die Frage aufwerfen: Wie wäre es denn mit den sinnlichen Wahrnehmungen, wenn sie nur von außen auf uns eindringen würden, wenn also nur dasjenige, was gewissermaßen aus dem Licht als Farbe in unser Auge dringt, was als Ton an unser Ohr dringt, was als Wärme in unseren Wärmesinn dringt und so weiter, wenn das nur auf uns einstürmte, was wäre denn dann mit uns?

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