Dreizehnter Vortrag
Mein Reich ist von jener anderen Welt, die nicht diese sinnliche Welt ist —, wer hat am meisten gesündigt wider dieses Christus-Wort? Derjenige, der behauptet, ein Reich, das auf diese Welt gegründet ist, ein Reich, das in Rom, im physischen Rom seinen Mittelpunkt hat, ein Reich, das mit physischen Ratschlägen und Ratschlüssen wirkt, ein solches physisches Reich, das ganz von dieser Welt ist, das sei das Reich, das die christliche Wahrheit irgendwie verbreiten kann. — Da nun das Christus-Reich nicht von dieser Welt ist, ist es ganz gewiß auch nicht von Rom. Damit deuten wir darauf hin, daß in der Gegenwart den Menschen begreiflich werden muß als das eigentlich Widerchristliche all dasjenige, was von dieser Welt ist, was selbst die Wahrheit so stark von dieser Welt prägen will, daß es sagt: «Das kirchliche Lehramt hat das Recht, eine philosophische Meinung zu verurteilen, falls diese im Widerspruch mit einer geoffenbarten Lehre steht oder zu einem solchen Widerspruch folgerichtig hinführt», das heißt, insofern dieses von der Kirche so verfügt wird! Daher erscheinen solche Bücher nicht so, wie Bücher zum Beispiel von Anthroposophen erscheinen müssen, daß man mit seiner ganzen Persönlichkeit und nur mit dieser eintritt und sagt: Was ich zu vertreten habe, vertrete ich aus meiner Verbindung mit dem Geiste der Wahrheit heraus —, sondern hier ist der Titel: «Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage», von Alfons Lehmen S. J., vierte Auflage 1917. Blättert man um, so steht da: Imprimatur Freiburg, Thomas, Erzbischof. Das heißt, hier vertritt nicht eine Persönlichkeit dasjenige, was sie als Persönlichkeit zu vertreten hat, sondern eine weltliche Körperschaft, bei der jeder sich das Imprimatur holen muß, der etwas veröffentlichen will, was anerkannt werden soll, hier vertritt eine Körperschaft, welche von dieser Welt ist und von dieser Welt die Wahrheit prägt, dasjenige, was als Wahrheit aufgestellt wird!
Cite:
GA 198/1920-07-10/p028 · edition original