Zweiter Vortrag

GA 199/1920-08-07/p017 ·1920-08-07 · original (original)
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Wenn nun Büchner oder Moleschott oder der dicke Vogt kamen und ein bißchen nachdachten und sich nicht bewußt wurden, daß da in ihrem eigenen Denken doch etwas dahintersteckt, was sich einen Ruck geben sollte, dann schauten sie sich die Menschen ihrer Gegenwart an und sie interpretierten sie ganz richtig, indem sie sagten: Individualismus, Spiritualismus — falsch; die Gehirne denken! — Es dachten ja auch nur die Gehirne, der Materialismus hatte ja recht. Das ist gerade das Geheimnis, daß die theoretischen Materialisten des 19. Jahrhunderts nichts Falsches sagten, sondern daß sie durchaus Richtiges sagten. Es wäre sogar eine Beleidigung gewesen, wenn der Kollege X von dem Kollegen Y gesagt hätte, er hätte Geist und Seele, denn jener konnte von ihm der Wahrheit gemäß nur sagen, daß da ein Hirn automatisch denkt. Es war also der Materialismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Grunde genommen richtig, denn er bezieht sich auf ein gewisses Stadium in der Entwickelung der Menschheit, das dadurch charakterisiert ist, daß die Menschen eben materiell geworden sind, daß ihr Denken, Empfinden und Wollen aus der Materie heraus aufsteigt. Es sind dann sogar Mystiker gekommen, die sich in ihr Inneres vertieft haben; aber wir wissen ja: gerade diese Mystiker beobachteten nur das innere Kochen der Materialität innerhalb der Haut, bis es zur Flamme wird und ins Bewußtsein hineinleuchtet.

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Cite: GA 199/1920-08-07/p017 · edition original