Vierter Vortrag
Gewiß wird sich mancher sagen und damit auf eine gewisse Skylla deuten: Wie soll ich mich denn darüber informieren, was heute geschieht, da der Gang der Ereignisse ein so verwickelter geworden ist, da man heute so schwer aus den Symptomen auf die innere Bewegung der Tatsachen schließen kann? — Aber das soll eben nicht, ich möchte sagen, zur Charybdis hinführen, das heißt, tatenlos zu sein; sondern es sollte eben zum richtigen Durchsegeln führen, nämlich zum Fühlen der Verpflichtung, sich, so gut es geht, mit allen nur zugänglichen Mitteln in Einklang zu versetzen mit dem Gang der allgemeinen Weltenereignisse. Es ist ja gewiß leichter, sich zu sagen: Da ist die Anthroposophie, die lerne ich; auf ihrem Boden denke ich auch ein bißchen nach, erforsche das eine oder das andere und das vertrete ich dann vor der Welt. — Gerade dadurch kommen wir in die Sektiererei hinein, wenn wir so, gewissermaßen mit Scheuledern gegenüber den so großen, wichtigen Ereignissen der Gegenwart, einfach ohne rechts und links zu sehen, auf einem solchen Wege tätig sein wollen, wie ich es eben angedeutet habe. Uns obliegt es, den Gang der Ereignisse der Gegenwart zu studieren und vor allen Dingen bei diesem Studieren zugrunde zu legen dasjenige, was uns an Urteilen zukommen kann durch die Tatsachen, die aus anthroposophischer Geisteswissenschaft selber folgen.
Cite:
GA 199/1920-08-14/p007 · edition original