Vierter Vortrag
Ich möchte heute einiges von dem vorbringen, was ergänzen wird, was ich letzten Sonntag hier über das Wesen des menschlichen Sinnesorganismus vorgebracht habe. Und ich möchte davon ausgehen, daß ich einen Gegensatz vor Sie hinstelle, den ich oftmals schon gerade an diesem Orte zum Ausdruck gebracht habe. Es besteht ja heute, ohne daß das große Publikum viel davon weiß, aber doch in dieser Richtung denkt, ich möchte sagen, das Infiziertsein durch die naturwissenschaftliche Denkweise auf der einen Seite, und auf der andern Seite besteht bei dem einen noch ein alter traditioneller Glaube an sittliche oder religiöse Ideale, bei dem andern besteht nurmehr Skeptizismus, Zweifelsucht in dieser Beziehung, bei dem dritten Gleichgültigkeit und so weiter. Dieser große Gegensatz, der durchzittert und durchzuckt heute im Grunde die ganze Menschheit: Wie verhält sich der notwendige Gang der Naturereignisse zu dem, was die Geltung der ethischen, sittlichen und religiösen Ideale ist?
Cite:
GA 199/1920-08-14/p009 · edition original