Vierter Vortrag
Wir müssen dies aus zwei Gründen tun. Erstens deshalb, weil alles, was aus den alten Mysterien heraus aufgebracht worden ist, was durch die Initiationswissenschaft der alten Zeit vor die Welt hingestellt worden ist, weil alles das ohne ein wirkliches Begreifen des Rätsels der menschlichen Freiheit dasteht. Großartiges, Gewaltiges haben die Lehrer der alten Mysterien der Menschheit überliefern können. Großartiges, Gewaltiges liegt in den mythischen Überlieferungen der verschiedenen Völker, die ja auch esoterisch erläutert werden dürfen, freilich nicht so, wie man es oft macht. Großartiges liegt in den sonstigen Überlieferungen, die ihren Quell in der Initiationswissenschaft alter Zeit haben, wenn man sie nur in der richtigen Weise versteht. Aber eines liegt in alledem nicht, eines liegt nicht in der Initiationswissenschaft der alten Mysterien, nicht in den Mythen der verschiedenen Völker, auch wenn sie esoterisch verstanden werden, nicht in den Traditionen, die sich herschreiben aus dieser Initiationswissenschaft: das ist das Rätsel von der menschlichen Freiheit. Denn derjenige, der von einer Initiationswissenschaft, von einer Einweihung der Gegenwart ausgeht, der begreift, wie Einweihung der Gegenwart sich hinstellt neben Einweihung der Vergangenheit, der weiß, daß die Menschheit in ihrer Entwickelung über die Erde hin erst jetzt in das Stadium wirklicher Freiheit eintritt, und daß es einfach früher nicht nötig war, der Menschheit eine Initiationswissenschaft zu geben, die ganz imprägniert wäre von dem Rätsel der Freiheit. Was alles das Rätsel der Freiheit umschließt, in welche Lage die menschliche Seele versetzt ist, wenn sie das Rätsel der Freiheit völlig klar auf sie abgeladen findet, das ahnen die wenigsten Menschen heute. Alle Initiationswissenschaft muß ja ein neues Licht empfangen durch dieses Rätsel der menschlichen Freiheit. Das auf der einen Seite. Wir sehen, wie sich fortsetzen aus alten Zeiten in direkter Kontinuation, möchte ich sagen, Geheimgesellschaften, die zum Teil recht stark in dem Leben der Gegenwart stehen, die aber nur das Alte bewahren, nur das Alte nachahmen, nur fortwirken im Sinne des Alten, und die doch nichts weiter sind, als Schatten des Alten, die nichts weiter sind als etwas, was, wenn es heute wirkt, der Menschheit schädlich sein muß.
Cite:
GA 199/1920-08-14/p017 · edition original