{"corpus":"steiner","locus":"GA 199/1920-08-14/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ebenso ist es nach der andern Seite hin. Würden wir das Geistig-Seelische, von dem ich Ihnen ja letzten Sonntag zeigte, wie es hinter dem Sinnlichen ist — nicht Atome oder Moleküle sind dahinter, sondern das Geistig-Seelische ist da in Wahrheit dahinter —, würden wir dies mit unserem gewöhnlichen alltäglichen Erkenntnisvermögen durchschauen, würden wir uns gewissermaßen nicht stoßen an den Pfählen, an den Grenzen der Naturwissenschaft, dann wäre in uns das nicht vorhanden, was wir wiederum zum menschlichen Leben brauchen, was wir erziehen müssen hier zwischen Geburt und Tod, dann wäre in uns nicht vorhanden die menschliche Liebefähigkeit. Die menschliche Liebefähigkeit wird in uns dadurch erzogen, daß wir zunächst in diesem Leben zwischen Geburt und Tod, wenn wir nicht zur Geisteswissenschaft schreiten, zu verzichten haben auf das Durchschauen des Sinnenschleiers, auf das Hineinschauen in die geistige Welt. Und Erinnerungsvermögen können wir nur dadurch haben, daß wir verzichten auf das Hineinschauen in das Leiblich-Physische. Dadurch aber sind wir zwei großen Täuschungen ausgesetzt. Der einen Täuschung unterliegen die dogmatischen Anhänger der naturwissenschaftlichen Weltanschauung. Sie hören nicht hin auf die Initiationswissenschaft und kommen nicht in der Art, wie ich Ihnen das letzten Sonntag auseinandergesetzt habe, darauf, daß hinter dem Sinnenschleier nicht Materie, nicht Stoff, nicht das, was die Naturwissenschaft Kraft nennt, vorhanden ist, sondern durch und durch geistig-seelische Wesenheit. Es ist auch heute von mir noch mit aller Schärfe dasselbe zu betonen, was ich in meinem Kommentar zum dritten Bande von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften, zu Goethes «Farbenlehre» hervorgehoben habe. Da draußen ist der Farbenteppich der Welt, da draußen ist Rot und Blau und Grün, und da draußen sind die andern Empfindungen. Hinter diesen stecken nicht Atome, stecken nicht Moleküle, hinter diesen stecken geistige Wesenheiten. Was aus diesen geistigen Wesenheiten an die Oberfläche getrieben wird, das lebt sich aus im Farbenteppich der Welt, im Tonzusammenhange, im Wärmezusammenhange der Welt und in all den andern Empfindungen, die uns die Welt vermittelt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-08-14","location":null,"word_count":315,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/199/1920-08-14/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/199/1920-08-14/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/199/1920-08-14/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}