{"corpus":"steiner","locus":"GA 199/1920-08-21/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Eine wirkliche Erkenntnis desjenigen, was in der Menschheit als verschiedene Impulse waltet, und was erkannt werden muß, wenn man nach irgendeiner Richtung hin Stellung nehmen will innerhalb der Menschheit, ist nur möglich, wenn man versucht, sich zu vertiefen in die Verschiedenheiten, die bestehen zwischen der Seelenverfassung des einen Gliedes der Menschheit und der des andern Gliedes der Menschheit. Gewiß, notwendig ist es zum richtigen Fortschritt innerhalb der ganzen Menschheit, daß sich die Menschen verstehen, daß es also unter den Menschen ein Gemeinschaftliches gibt. Aber dieses Gemeinschaftliche kann sich nur entwickeln, wenn der Blick gerichtet wird auf das, was als Verschiedenheiten in den Seelenveranlagungen, in den Seelenentwikkelungen bei den verschiedenen Gliedern der Menschheit da ist. In einem Zeitalter des abstrakten Denkens, des bloßen Intellektualismus, wie es dasjenige ist, in dem wir jetzt leben, sieht man zu gerne nur nach den abstrakten Einheiten. Dadurch kommt man überhaupt nicht zum Verständnis der wirklichen konkreten Einheit. Man muß gerade durch das Erfassen der Verschiedenheiten zu der Einheit kommen. Und ich habe von den verschiedensten Gesichtspunkten aus hingewiesen namentlich auf die gegenseitigen Beziehungen, die sich zwischen dem Westen und dem Osten der Erdenbevölkerung aus diesen Verschiedenheiten heraus ergeben. Heute möchte ich wiederum von einem andern Gesichtspunkte auf solche Differenzierungen innerhalb der Menschheit hinweisen. Wenn man heute dasjenige nimmt, was einem gewöhnlich in die Augen fällt, wenn man auf die allgemeine Bildung hinsieht, was hat man denn dann eigentlich? Man hat, wenn man den Blick auf das richtet, was gewissermaßen die meisten Menschen in der zivilisierten Welt als ihre Gedankenformen haben, im Grunde genommen darinnen etwas, was im wesentlichen westliche Färbung und seinen Ursprung in der besonderen Charakterveranlagung des Westens hat. Ich meine so: Wenn Sie heute eine Zeitung in die Hand nehmen, die in Amerika, in England, in Frankreich, in Deutschland, in Österreich oder in Rußland erscheint, so werden Sie ja gewiß verspüren, daß da gewisse Unterschiede in der Art des Denkens und so weiter sind, aber Sie werden ein Gemeinsames bemerken. Dieses Gemeinsame rührt aber nicht davon her, daß etwa, wenn ich da das westliche Gebiet, da das mittlere Gebiet und da das Ostgebiet habe (siehe Zeichnung), dasjenige, was, sagen wir, in den Zeitungen und auch in den gewöhnlichen populären und wissenschaftlichen Literaturwerken zutage tritt, überall aufsteigen würde aus dem, was in den Tiefen der Volkstümer ruht. Sie lesen nicht zum Beispiel in einer Petersburger Zeitung, was aus dem Volkstum des Russentums aufsteigt, Sie lesen heute nicht einmal in einer Wiener oder Berliner Zeitung, was aus dem Volkstum der mittleren Welt aufsteigt, sondern dasjenige, was die Grundkonfiguration, den Grundcharakter angibt, das ist im Grunde genommen aus dem Westen aufgestiegen und hat sich hier in diese einzelnen Gebiete herein ergossen. Es ist also im wesentlichen über die zivilisierte Welt verbreitet die Grundnuance desjenigen, was eigentlich aus den Volkstümern des Westens aufgestiegen ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-08-21","location":null,"word_count":467,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/199/1920-08-21/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/199/1920-08-21/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/199/1920-08-21/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}