Siebenter Vortrag

GA 199/1920-08-21/p012 ·1920-08-21 · original (original)
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Wenden wir den Blick von da ab nach dem Westen. Der Westen hat die verhältnismäßig am spätesten liegende menschliche Seelenentwickelung heraufgebracht. Sie muß uns besonders interessieren, denn sie hat diejenige Anschauung gebracht, die aufgestiegen ist wie ein Nebel im Westen und sich herüber ergießt über die ganze zivilisierte Welt. Es ist die Anschauungsweise, die am bedeutsamsten zum Ausdruck gekommen ist schon in Baco von Verulam, in Hobbes, in solchen Geistern, wie etwa unter den neueren der Nationalökonom Adam Smith, unter den Philosophen John Stuart Mill, unter den Historikern Buckle und so weiter. Es ist diejenige Denkweise, wo in den Vorstellungen, in den Gedanken nichts mehr liegt von Imagination, Inspiration, wo der Mensch ganz und gar angewiesen ist, nur sein Vorstellungsleben nach außen, nach der Sinneswelt zu richten und die Eindrücke der Sinneswelt nach den Verkettungen von Gedanken aufzunehmen, die sich gerade an der Sinneswelt ergeben. Philosophisch ist es am eklatantesten zum Ausdruck gekommen in David Hume, auch in andern, in Locke und so weiter. Es ist etwas sehr Eigentümliches, das aber gesagt werden muß. Wenn man nach diesem Westen blickt, dann muß man hinsehen, wie Geister wie zum Beispiel John Stuart Mill über die menschliche Gedankenverkettung sprechen. Das Wort Vorstellungsassoziation ist eigentlich ganz ein westliches Gebilde; aber es ist zum Beispiel in Mitteleuropa schon seit mehr als einem halben Jahrhundert so gang und gäbe geworden, daß man von diesen Vorstellungsassoziationen wie von etwas eigenem spricht. Man sagt zum Beispiel, wenn man Psychologie lehrt in John Stuart Millschem Sinn: Gedanken in der menschlichen Seele verbinden sich erstens so, daß ein Gedanke den andern umspannt, oder daß ein Gedanke sich an den andern schließt, oder daß ein Gedanke den andern durchdringt. Das heißt, man schaut auf die Gedankenwelt hin und sieht die einzelnen Gedanken wie einzelne kleine Bälle, die sich miteinander verbinden, die sich assoziieren (siehe Zeichnung). Wenn man konsequent wäre, müßte man alles Ich und alles Astralische ausstreichen und müßte da innerlich einen bloßen Mechanismus der Gedanken aufführen, und sehr viele Leute sprechen ja auch von diesem innerlichen Mechanismus der Gedanken. Der Mensch wird gewissermaßen seelisch ausgeweidet. Wenn man John Stuart Mill liest und seine deduktive und induktive Logik, so fühlt man sich seelisch versetzt in einen Seziersaal, wo verschiedene Tiere hängen, die ausgeweidet werden, denen das Innere herausgenommen wird. So fühlt man bei Mill des Menschen geistig-seelisches Wesen herausgenommen. Er nimmt zuerst das Innere heraus und läßt die bloße äußere Hülle. Ja, da erscheinen dann die Gedanken nur wie sich assoziierende atomistische Gebilde, die sich zusammenballen, wenn wir ein Urteil bilden. Der Baum ist grün: da ist der eine Gedanke, grün, der andere, der Baum; die schwimmen zusammen. Da ist nicht das Innerste mehr lebendig, das ist ausgeweidet, da ist nur der Mechanismus der Gedanken und so weiter.

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Cite: GA 199/1920-08-21/p012 · edition original