Siebenter Vortrag

GA 199/1920-08-21/p027 ·1920-08-21 · original (original)
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Präexistenz — Postexistenz — hier ist das unmittelbare Leben in der menschlichen Gegenwart, das Durchdringen der Geschichte. Lesen Sie sich dasjenige durch, was gerade von Hegel als Geschichtsphilosophie verfaßt worden ist. In den Bibliotheken ist es zumeist so, daß, wenn man aufschlägt, eine Seite noch an der andern klebt, man muß sie erst voneinander lösen. Es sind nicht viele Auflagen erschienen gerade von Hegels Büchern. In den achtziger Jahren hat Eduard von Hartmann geschrieben, daß es im ganzen Deutschland, wo es zwanzig Universitäten gibt mit philosophischen Fakultäten, überhaupt nur zwei Menschen gibt unter den Universitätsdozenten, die Hegel gelesen haben! Unwidersprochen konnte es bleiben, denn es war wahr; trotzdem haben selbstverständlich alle Schüler geschworen auf das, was ihnen ihre, den Hegel nicht gelesen habenden Professoren über Hegel gesagt haben. Aber machen Sie sich mit dem bekannt, so werden Sie sehen, daß da in der Tat Geschichtsauffassung zustande gekommen ist, das Erleben dessen, was sich zwischen Mensch und Mensch abspielt. Da ist auch das Holz, aus dem geschnitzt werden muß das Staats- oder rechtliche Glied des dreigliedrigen sozialen Organismus. Die Konstitution des geistigen Organismus ist zu lernen am Orient, die Konstitution des Wirtschaftlichen ist zu lernen am Westen.

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