Siebenter Vortrag
So muß man in die Differenzierung der Menschheit über die Erde hineinschauen, und man kann die Sache von der einen oder von der andern Seite verstehen. Geht man direkt auf das Ziel los, studiert man das soziale Leben, dann kommt man so zur Dreigliederung, wie ich sie in den «Kernpunkten der sozialen Frage» entwickelt habe. Studiert man so das Leben der Menschen über die Erde hin, dann kommt man dazu, sich zu sagen: Es ist etwas da mit besonderer Veranlagung für die Wirtschaft, es ist etwas da mit besonderer Veranlagung für den Staat, es ist etwas da mit besonderer Veranlagung für das geistige Leben. — Hier kann ein dreigliedriges Gebilde geschaffen werden, indem man die eigentliche Wirtschaft nimmt vom Westen, den Staat nimmt von der Mitte, das geistige Leben - selbstverständlich erneuert, das habe ich immer gesagt — vom Osten. Hier hat man den Staat, hier das wirtschaftliche Leben, hier das geistige Leben (siehe Zeichnung); man hat die beiden andern von hier herüberzunehmen. So hat die Menschheit zusammenzuwirken, weil an verschiedenen Orten der Erde die Ursprünge für diese drei Glieder des sozialen Organismus gefunden werden, die deshalb auch überall gehörig auseinandergehalten werden müssen. Und wenn die Menschen vermischen wollen in der alten Weise zum Einheitsstaat dasjenige, was dreigliedrig sein will, so wird doch nichts anderes daraus, als daß eine Einheit im Westen wird, wo das Wirtschaftsleben alles überflutet und alles andere nur in das Wirtschaftsleben eintaucht. Machen dann sich Theoretiker darüber her und studieren das, das heißt, geht Karl Marx von Deutschland nach London, dann studiert er: Alles muß wirtschaftliches Leben sein. - Und wird der Wahnsinn Marxens vollends, dann macht man die drei Glieder nur eingliedrig, aber nur mit dem Charakter der Wirtschaft. Beschränkt man sich auf das, was bloß Staats- oder Rechtsgebilde sein will, so äft! man das Wirtschaftsleben des Westens nach, macht ein Scheingebilde des Wirtschaftslebens durch Jahrzehnte, was dann selbstverständlich zusammenbricht, wenn die Katastrophe kommt, was ja auch geschehen ist!
Cite:
GA 199/1920-08-21/p029 · edition original