Siebzehnter Vortrag

GA 199/1920-09-18/p005 ·1920-09-18 · original (original)
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Wir können noch einen Schritt weiter nach dem Inneren der Menschenseele gehen, und dann auch von diesem Gesichtspunkte aus den Umschwung der Anschauungen in dieser Beziehung ermessen. Nehmen wir die verschiedenen Konfessionen, die heute aus ihren jahrhundertealten Traditionen heraus in Predigt und Lehre zu den Menschen sprechen von der Ewigkeit, von der Unsterblichkeit der Menschenseele. Man sollte über diese Dinge nicht von einem theoretischen Standpunkt aus sprechen, man sollte sprechen von dem Standpunkte des Lebens aus; man sollte verfolgen, aus welchen Empfindungsnuancen heraus Predigt und theologische Lehren in bezug auf die Ewigkeit der Menschenseele zumeist fließen. Ich sage jetzt nicht, dem Inhalt der Lehre nach, sondern mehr den Motiven, den Empfindungen, den Gefühlen nach, aus denen heraus gesprochen wird in Predigt und theologischer Lehre. Nicht wahr, der Mensch kann ja, ganz abgesehen von dem, was wahr ist, ein aus dem innersten Seelenegoismus heraus entspringendes Gefühl haben: Die Seele soll nicht zugrunde gehen, wenn der Leib zerfällt! Es ist schon etwas von einem inneren Seelenegoismus, was da wünscht, man möchte nicht zugrunde gehen. Man kann das Ereignis der Auflösung nicht ertragen, man dürstet nach dem Verbleiben der Menschenseele im Dasein nach dem Tode. Dieses Gefühl des Dürstens nach der Unsterblichkeit nach dem Tode, das ist es, an das zunächst Predigt und theologische Lehre appellieren. Das ist es, was die Untergründe abgibt, aus denen heraus über die Ewigkeit der Seele zu den Menschen aus den verschiedensten Konfessionen heraus gesprochen wird. Man findet Gläubige, indem man dem geheimen, dem inneren Seelenegoismus entgegenkommt. Man sagt ja im Grunde genommen den Menschen etwas, wonach sie dürsten, dessen Gegenteil sie durchaus nicht hören wollen. Indem man ihnen von dem Verbleiben im Dasein nach dem Tode spricht, findet man den Zugang zu dem menschlichen Glauben. Man würde sonst den Zugang zu dem Menschenglauben nicht finden, wenn die Menschenseele nicht aus Egoismus heraus dürstete nach der Unzerstörbarkeit der Seele nach dem Tode. Nun wissen wir aus der Geisteswissenschaft, daß diese Menschenseele gewiß nach dem Tode ihr Dasein behält, und wir konnten auch aus vielen Darstellungen, die gegeben worden sind im Laufe der Arbeit innerhalb dieser Bewegung, sehen, daß man aus der Initiationswissenschaft heraus mit Genauigkeit von den Erlebnissen nach dem Tode sprechen kann.

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