{"corpus":"steiner","locus":"GA 199/1920-09-18/p012","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Weiß man, wie das vorgeburtliche Menschenwesen sich verkörpert im Leib, dann verfolgt man den werdenden Menschen im Kinde ganz anders. Da haben wir zwei Etappen im werdenden Menschen. Die eine Etappe ist gegeben mit dem Zahnwechsel um das siebente Jahr herum. Was bedeutet dieser Zahnwechsel? Es ist eine viel stärkere Veränderung in dem ganzen menschlichen Organismus, als man gewöhnlich glaubt. Aber man beobachtet die Dinge heute nur äußerlich. Wenn man sich einmal gewöhnen wird, die Dinge seelisch zu betrachten, wie dieses aus der Geisteswissenschaft folgen kann, was wird man einsehen? Man wird sich sagen: Merkwürdig! Das Kind bis zum Zahnwechsel bildet sich nicht ganz gefestigte Begriffe, es erinnert sich zwar an manches, aber es legt die Erinnerung nicht in Begriffe fest; es tritt noch nicht eigentliche Intelligenz auf. Beobachten Sie nur ernstlich einmal ein Kind, wie da im Laufe des Zahnwechsels immer mehr und mehr die Fähigkeit für die eigentliche Intelligenz entsteht. Man hat ja heute gar kein Gefühl dafür, welcher Unterschied besteht zum Beispiel zwischen einem sieben- und fünfjährigen Kinde mit Bezug auf die Ausbildung der Intelligenz. Würde man nur beobachten - die Waldorfschullehrer müssen es beobachten, denn das liegt ihrem ganzen Unterricht und ihrer Erziehung zugrunde -, wie diese Seele nach und nach herauskommt nach dem siebenten Jahr, dann würde man gleich einsehen, wohin man zu blicken hat, wenn man die Frage beantworten will: Ja, wo war denn das alles, was da als Intelligenz herauskommt nach dem siebenten Jahr? Wo steckte denn das? Das steckte im Leibe unten, war tätig im Leibe. Dasselbe, was sich emanzipiert mit dem siebenten Jahr und Intelligenz wird, das war unten im Leibe, gestaltete den Leib und machte seinen Schlußpunkt in bezug auf dessen Gestaltung mit dem Herausdrängen der zweiten Zähne. Die Kraft, die in den zweiten Zähnen sich zum Dasein drängt, sie ist in dem ganzen Organismus tätig gewesen. Aber es ist eine Kraft, welche nur bis zum siebenten Jahr im Leibe tätig ist, dann hat sie im Leibe nichts mehr zu tun, dann wird sie Intelligenz; sie war früher auch schon Intelligenz, aber sie arbeitete im Leibe. Sehen Sie sich an, was im Leibe des Kindes bis zum siebenten Jahr geschieht, und sehen Sie nachher, was das Kind als Intelligenz hat nach dem siebenten Jahr, dann haben Sie dasselbe. Durch die Geburt ist die Intelligenz heruntergestiegen; zunächst war sie noch nicht als Intelligenz, als seelische Wesenheit tätig, das wird sie erst allmählich nach dem siebenten Jahr: da haben \"Sie konkret das Zusammenwirken der Seele mit dem Leibe. Und jetzt können Sie, was da hauptsächlich bis zum siebenten Jahre im Menschenleibe arbeitete, Sie können es ja anschauen. Jetzt haben Sie nicht törichte, abstrakte Begriffe vom Zusammenwirken von Leib und Seele, die aus den Fingern gesogen sind, wie sie in unseren Lehr- und Handbüchern stehen, jetzt haben Sie konkrete Anschauungen von dem, was in Blut und Nerven, in Muskeln und Knochen sieben Jahre hindurch arbeitete und dann Intelligenz des Kindes wird.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-09-18","location":null,"word_count":488,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/199/1920-09-18/p012","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/199/1920-09-18/p012"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/199/1920-09-18/p012","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}