Erläuterungen zu «8. Abteilung. Soziales»

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Author: Rudolf Steiner

S. 482, Z. 3—4: Aus den Sprüchen 460, 1—16 geht hervor, daß Goethe ein Vertreter des ethischen Individualismus ist. Er sieht in dem Individuum den Quell des Handelns, nicht in allgemeinen sittlichen Normen. Man kann nun sagen: wie ist menschliche Gemeinschaft möglich, wenn jeder nur thut, was er sich selbst befiehlt? Die Frage ist dahin zu beantworten, daß im Ganzen und Großen die Menschen eines Geistes sind. Der Freie lebt in dem Vertrauen darauf los, daß der andere Freie mit ihm einer geistigen Welt angehört und sich in seinen Intentionen mit ihm begegnen werde. Denn Verstand und Vernunft tragen bei allen Menschen die gleichen Charakterzüge. Wenn also auch jeder Einzelne nur seinen besonderen sittlichen Intentionen nachgeht, so wird doch das Handeln des einen von Verstand und Vernunft geleitet, die gleichartig mit dem Verstand und der Vernunft des andern sind. Es wird also in dem Zusammenwirken der Menschen der eine Grundzug von Verstand und Vernunft zu bemerken sein, der in ihnen allen lebt, d. h. es regieren, trotzdem die Individuen handeln, Verstand und Vernunft.

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