Eine vergessene Strömung im deutschen Gedankenleben
Im Jahre 1912 ist erschienen «Das Hohe Ziel der Erkenntnis» von Omar al Raschid Bey (München, Verlag R. Piper). (Zu bemerken ist, daß der Verfasser kein Türke, sondern ein Deutscher ist, und daß die Ansicht, die er vertritt, nichts mit dem Mohammedanismus zu tun hat, sondern eine im modernen Gewande auftretende altindische Weltanschauung ist.) Das Buch ist nach dem Tode des Verfassers erschienen. Ein solches Buch würde in unserer Zeit nicht erscheinen, und sein Verfasser würde nicht glauben, sich und anderen mit dem darin Ausgesprochenen einen der Gegenwart entsprechenden Erkenntnisweg zeigen zu sollen, wenn er in seiner Seele die Bedingungen herstellen wollte, durch die ein Verständnis der Denkerreihe möglich ist, die in dieser Schrift geschildert wird. So wie für ihn die Dinge sich darstellen, könnte der Verfasser des «Hohen Zieles» für die hier ausgesprochene Behauptung nur ein mitleidiges Lächeln haben. Er würde nicht einsehen, daß alles, was er in seinem Schlußkapitel «Erwachen aus der Erscheinung» auf Grund des diesem Kapitel Vorangegangenen - und mit diesem - dem Seelenerleben darbietet, zwar ein rechter Erkenntnisweg war für das alte Indien, für den man als einen der Vergangenheit angehörigen volles Verständnis haben kann; daß aber dieser Erkenntnisweg in einen andern einmündet, wenn man nicht vorzeitig auf ihm stehen bleibt, sondern den geistgemäßen Wirklichkeitsweg wandelt, der von dem neueren Idealismus beschritten worden ist.