Erster Vortrag
Nun sind zunächst die drei Raumdimensionen wirklich schon so abstrakt geworden für den Menschen, daß er sich außerordentlich schwer erziehen kann zu fühlen, wie er gewisse Bewegungen der Erde und des ganzen Planetensystems mitmacht, indem er in diesen drei Raumdimensionen etwas zu tun hat. Aber geisteswissenschaftliche Denkweise, sie kann ausgedehnt werden auf Menschenerkenntnis, wenn zunächst wenigstens ein Ersatz gesucht wird für dieses schwer zu erringende Verständnis der drei Raumdimensionen. Und wir können schon leichter uns zu dieser Raumerkenntnis des Menschen aufschwingen, wenn wir nun nicht die drei Raumlinien, die aufeinander senkrecht stehen, ins Auge fassen, sondern wenn wir drei Raumebenen betrachten. Da bitte ich Sie, nur zunächst einmal folgendes zu betrachten: Sie werden leicht einsehen können, daß Ihre Symmetrie etwas zu tun hat mit Ihrem Denken, wenn Sie darauf achten, daß Sie eine elementar naturgegebene Gebärde machen, wenn Sie das urteilende Denken gebärdenhaft ausdrücken wollen. Sie fahren, indem Sie sich geradezu den Finger auf die Nase legen, durch diese vertikale Symmetrieebene, die Sie in einen linken und in einen rechten Menschen zerschneidet (Tafel 2, rechts). Diese Ebene, die mittendurch geht durch Ihre Nase, durch Ihren Körper, und die Symmetrieebene darstellen soll, ist dasjenige, dessen Sie sich bewußt werden können als etwas, das zu tun hat mit allem Unterscheiden in Ihnen, allem unterscheidenden Denken, unterscheidenden Urteilen. Es ist möglich, ausgehend von dieser elementaren Geste, sich tatsächlich ein Bewußtsein davon zu verschaffen, daß man als Mensch in allen seinen Verrichtungen mit dieser Ebene etwas zu tun hat.
Cite:
GA 201/1920-04-09/p010 · edition original