Erster Vortrag

GA 201/1920-04-09/p017 ·1920-04-09 · original (original)
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Das hängt zusammen mit gewissen Dingen, die ich vorgestern hier im öffentlichen Vortrage vorgebracht habe, das hängt damit zusammen, daß anthroposophisch orientierte Weltanschauung gerade in das wirkliche Geist-Erkennen das Materielle hineinführt. Stehen denn nicht solche Dinge wie Denken, Fühlen und Wollen wie furchtbar kahle Abstraktionen heute vor der menschlichen Erkenntnis? Die Menschen prüfen sich nur nicht genügend. Die Menschen fragen sich eigentlich gar nicht, was sie in dem haben, wofür sie Worte anwenden. Daher ist ja so vieles zur Phrase geworden. Es sollte jemand wirklich nur sich gewissenhaft fragen, wenn er das Wort Denken ausspricht, ob er denn wirklich klar sich etwas dabei vorstellt, gar nicht zu reden von Fühlen und Wollen. Aber bedenken Sie, wie das phrasenhafte Sich-Ergehen in Worten in Anschauung übergeht, wenn man wirklich zum Bilde zurückkehrt. Wenn man auch nur das eine Bild hat für das Denken, daß man sich an die Nase greift - man braucht es ja nicht immer zu tun, aber man weiß, daß diese Bewegung immer in der Situation ausgeführt werden will, wenn wit denken sollen; oder wir deuten auch auf unser Kinn, wenn wir aufpassen sollen -, also, wir greifen gerade in diese Ebene hinein, weil wir da auch urteilen wollen über dasjenige, dem wir zuhören. Wir teilen gewissermaßen unseren Organismus in eine linke und rechte Hälfte, weil wir immer mit dem linken Sinnesorgan eigentlich etwas anderes verrichten als mit dem rechten. Wie Sie mit dem linken Sinnesorgan etwas anderes verrichten als mit dem rechten, das können Sie ja daran ermessen, daß Sie eigentlich immer mit dem linken Sinnesorgan etwas tun, was auch im Denken wie ein Befühlen des Gegenstandes ist. Mit dem rechten Sinnesorgan befühlen Sie gewissermaßen wiederum Ihr Befühlen. Dadurch wird es erst Ihr Eigentum. Sie würden ja niemals zu der Ich-Vorstellung kommen können, wenn Sie nicht dasjenige, was Sie links erleben, wiederum wahrnehmen könnten mit dem, was Sie rechts erleben. Indem Sie einfach Ihre Hände übereinanderlegen, ist das ein Bild des Ich-Vorstellens. Das muß gesagt werden, daß der Mensch, indem er von dem bloßen Leben in Phrase übergeht zur Anschaulichkeit, daß er dadurch innerlich reicher wird, dadurch auch die Möglichkeit gewinnt, das Weltenall reicher vorzustellen.

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