Erster Vortrag
Dadurch, daß dieser Weg angetreten wird, wird wiederum Leben hineinkommen in dieses Weltenall und in uns als Menschen das Gefühl von der Teilnahme an dem Leben des Weltenalls. Dann wird es wieder einen Sinn bekommen, das Weltenall mit dem Menschen zu verbinden, eine Brücke zu schlagen vom Weltenall zum Menschen hin. Wenn diese Brücke geschlagen wird, dann kann erst eingesehen werden, ob denn nun wirklich für alles, was im Menschen vorliegt, eine naturnotwendige Impulsation im Weltenall vorliegt; ob das Weltenall uns durch und durch determiniert oder ob es uns in einer gewissen Weise frei läßt. Solange wir nur in Abstraktionen leben, so lange können wir unmöglich irgendeine Brücke schlagen zwischen dem Moralischen und dem Naturgemäßen. Wir müssen uns erst fragen können: Wie weit reicht im Weltenall das Naturgemäße und wo tritt im Weltenall etwas auf, das wir nicht unter den Gesichtspunkt des Naturgemäßen bringen können? Dann kommen wir zu einer Beziehung, die auch für den Menschen eine Bedeutung hat, zwischen dem Naturgemäßen und dem Freien, dem Moralischen. Auf diese Weise werden Sie lernen, wiederum einen Sinn mit den Worten zu verknüpfen: Mars ist ein sonnenferner, Venus ein sonnennaher Planet. - Damit, daß Sie einfach in abstrakten Zahlen die Entfernungen angeben, haben Sie ja gar nichts gesagt, oder wenigstens sehr wenig gesagt. Denn alles dasjenige, was in dieser Weise - und im Grunde wird ja alles, was die heutige Astronomie angeht, in dieser Weise angegeben -, alles, was in dieser Weise nur bestimmt wird, das ist gerade so bestimmt, wie wenn Sie sagen, Sie sehen einmal auf jene Linie, welche durchgeht durch die beiden Arme und Hände des Menschen, und sprechen dann von einem Organ, das zweieinhalb Dezimeter entfernt ist von dieser Linie. Ja, aber das eine Organ, das von dieser Linie (Tafel 2, Mitte unten) entfernt ist, das kann nach unten entfernt sein, das andere Organ kann nach oben entfernt sein. Es ist nicht nur das wichtig, daß diese Organe so und so weit entfernt sind, sondern es macht etwas aus, daß das eine Organ nach oben so weit entfernt ist, und das andere Organ nach unten. Wenn es keinen Unterschied gäbe zwischen dem Oben und Unten, dann wäre kein Unterschied zwischen Ihrer Nase und Ihrem Magen oder zwischen Ihren Augen und Ihrem Magen. Das Auge ist nur dadurch Auge, daß es oberhalb dieser Linie liegt, der Magen nur dadurch Magen, daß er unterhalb dieser Linie liegt. Das innere Wesen wird bedingt von dieser Stellung.
Cite:
GA 201/1920-04-09/p018 · edition original