Vierter Vortrag
Wenn wir zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen sind, dann spielt sich in der dann vorliegenden Umgebung des Ich für das heutige gewöhnliche Bewußtsein nur dasjenige ab, was in Träumen erlebt wird, in Träumen sich widerspiegelt. Aber im ganzen kann man doch sagen, daß der Mensch da schon gewissermaßen hinüberspringt in die Welt, die ich hier in diesem Schema (die vorige Zeichnung) als das Blaue dargestellt habe. Der Mensch dringt hinüber in diese andere Welt, und gerade die Träume sind es, die schon durch ihre Natur verraten, wie da der Mensch hinüberspringt. Denken Sie nur einmal, wie verwandt die Träume sind dem Atmungsprozesse, dem Rhythmus des Atmens, wie sie den Rhythmus des Atmens, überhaupt den Rhythmus oftmals nachwirken fühlen, wenn Sie träumen. Der Mensch überschreitet gewissermaßen eine Grenze, die ihm sonst gezogen ist in seiner bewußten Welt, indem er in die Welt, in der er ist im Schlafe, wenigstens hineinnippt, wenn er träumt. Die Welt der Imaginationen liegt ja auch da drüben, nur ist sie dann eine vollkommen bewußte - ein wirklich bewußtes Wahrnehmen in derjenigen Welt, an der der Mensch sonst bloß nippt, wenn er träumt.
Cite:
GA 201/1920-04-16/p010 · edition original