{"corpus":"steiner","locus":"GA 201/1920-05-02/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun bitte ich Sie aber folgendes zu beachten. Wir haben nötig, zunächst einmal aus inneren Gründen die Bewegung der Erde lemniskatisch aufzufassen, außerdem als wirkend auf die Bewegung der Erde die Venus- und Merkurkräfte, die die Lemniskate selber wiederum weitertragen, so daß eigentlich die Lemniskate fortschreitet und ihre Achse selber dann wiederum eine Lemniskate wird. Wir haben eine außerordentlich komplizierte Bewegung für die Erde selber. Und nun kommt das, worauf ich Sie eigentlich hinweisen will. Es strebt die Astronomie danach, diese Bewegungen zu zeichnen. Man will ein Planetensystem haben. Man will das Sonnensystem zeichnen und rechnerisch erklären. Aber solche Planeten wie Venus und Merkur, die haben auch Beziehungen zu dem Außerräumlichen, zu dem Übersinnlichen, zu dem Geistigen, zu dem, was gar nicht in den Raum hineingehört. Wollen Sie also die Bahn des Saturn, die Bahn des Jupiter, die Bahn des Mars erfassen und in denselben Raum hineinzeichnen auch die Bahn von Venus und Merkur, so kriegen Sie da hinein höchstens eine Projektion der Venus- und Merkurbahn, aber keineswegs die Venus- und Merkurbahn selbst. Wenn Sie den dreidimensionalen Raum verwenden, um hineinzuzeichnen die Bahn von Jupiter, Saturn und Mars, so kommen Sie höchstens noch an eine Grenze; da kriegen Sie so etwas wie eine Bahn der Sonne. Wollen Sie aber jetzt das andere zeichnen, was da noch kommt, dann können Sie das nicht mehr in den dreidimensionalen Raum hineinzeichnen, sondern Sie können nur Schattenbilder für diese anderen Bewegungen in den dreidimensionalen Raum hineinkriegen. Sie können nicht in denselben Raum hineinzeichnen die Bahn der Venus und die Bahn des Saturn. Daraus ersehen Sie, daß alles Zeichnen des Sonnensystems, indem man sich dabei desselben Raumes bedient für den Saturn wie für die Venus, daß das alles nur Annäherungen sind, daß es gar nicht geht, ein Sonnensystem zu zeichnen. Das geht ebensowenig, wie Sie einen Menschen seiner Gesamtwesenheit nach aus den bloß natürlichen Kräften erklären können. Und jetzt werden Sie einsehen, warum kein Sonnensystem genügt. Leicht konnte ein Gar-nicht-Astronom wie Johannes Schlaf den Leuten, die ganz feste Astronomen sind, die Unmöglichkeit ihres Sonnensystems zeigen an sehr einfachen Tatsachen, indem er einfach zum Beispiel darauf hinwies, daß wenn die Sonne und die Erde sich so verhielten, daß die Erde herumginge um die Sonne, müßten sich Sonnenflecken nicht so zeigen, wie sie sich eben zeigen, denn einmal ist man hinten und dann ist man vorn und dann geht man herum. Das ist aber alles nicht der Fall. Es stimmt nichts von dem, was in einen Raum von den gewöhnlichen drei abstrakten Dimensionen von unserem Sonnensystem hineingezeichnet wird. Man muß sich durchaus klar sein, daß man, ebenso wie beim Menschen, sich sagen muß: Will man den Menschen als ganzen Menschen begreifen, so muß man von den physischen Kräften zu den übersinnlichen Kräften gehen. Ebenso muß man, will man ein Sonnensystem begreifen, über die drei Dimensionen hinausgehen in andere Dimensionalität hinein. Das heißt, man kann nicht ein gewöhnliches Sonnensystem zeichnen im dreidimensionalen Raum (Tafel 21, Mitte). Alle diese Planiglobien und so weiter, die haben wir so aufzufassen, daß wir sagen: Da, wo in einem solchen Planiglobium der Saturn ist, da ist, wenn wir nach unserm gewöhnlichen schematischen Sonnensystem irgendwo Merkur haben, nicht der wirkliche Merkur, sondern sein Schatten, seine bloße Projektion.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-05-02","location":null,"word_count":533,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/201/1920-05-02/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/201/1920-05-02/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/201/1920-05-02/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}