Dreizehnter Vortrag

GA 201/1920-05-09/p003 ·1920-05-09 · original (original)
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Wir haben nun die verschiedensten Dinge zusammengetragen, welche dazu führen können, eine Empfindung zu bekommen von dem Bau des Weltenalls in seinen Verhältnissen zum Menschen. Wir haben gesehen - und darauf muß ja immer wieder aufmerksam gemacht werden -, daß das Weltenall ohne den Menschen nicht begriffen werden kann; das heißt also, daß ein Begreifen des Weltenalls an sich, ohne daß man den Menschen dazurechnet und das Verhältnis des Weltenalls zum Menschen ins Auge faßt, nicht möglich ist. Wenn Sie sich, ich möchte sagen, in einer ganz populären Weise eine Vorstellung darüber bilden wollen, wie der Mensch zusammenhängt mit dem Weltenall, dann brauchen Sie ja nur an dasjenige zu denken, was Gegenstand der elementarsten Astronomie ist, nämlich die sogenannte Schiefe der Ekliptik, das heißt die schiefe Stellung der Erdachse gegenüber der Linie, der Kurve, die sich dutch den Tierkreis ziehen läßt. Diese Schiefe der Ekliptik, man mag sie auffassen, wie man will, man mag sie auch interpretieren, wie man will, bei solchen Interpretationen kommt es zunächst gar nicht darauf an, ob man mit dem, was man interpretiert, die Wirklichkeit trifft oder nicht, sondern darauf kommt es an, daß man sich dadurch etwas, sagen wit, nahebringen kann. Wenn auf der Ebene, die man durch die Tierkreis-Ekliptik legen kann, die Erdachse, das heißt diejenige Achse, um die man die täglichen Umdrehungen der Erde ausgeführt denken kann, senkrecht stünde, so wären über die ganze Erde hin fortwährend das ganze Jahr hindurch Nacht und Tag gleich. Läge die Erdachse in der Ekliptik drinnen, so wäre über die ganze Erde hin ein halbes Jahr Tag, ein halbes Jahr Nacht. Beide Extreme sind ja in einer gewissen Weise erfüllt am Äquator und an den Polen. Dazwischen aber liegen diejenigen Gebiete, welche verschieden lange Tage im Laufe des Jahres haben. Und Sie brauchen nur einmal ein wenig diese ganze Sache zu überdenken, so wird Ihnen sogleich beikommen, welche ungeheure Bedeutung für die ganze Kulturentwickelung der Erde diese Stellung der Erdachse im Weltenraume hat. Denken Sie nur einmal, daß wir ja alle Eskimos wären über die ganze Erde hin, wenn die Erdachse in der Ekliptik läge, und denken Sie sich einmal, daß die ganze Erde erfüllt sein müßte genau von derjenigen Kultur, die am Äquator ist, wenn die Erdachse senkrecht stehen würde auf der Ekliptik.

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