Dreizehnter Vortrag

GA 201/1920-05-09/p004 ·1920-05-09 · original (original)
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Zum Verständnis der Wirklichkeit kommt es natürlich darauf an, wie man sich etwas interpretiert. Aber um sich nahezubringen, welch ein Zusammenhang zwischen dem Menschen, seiner Kultur und Zivilisation und dem Bau des Weltenalls ist, genügt ja jede Interpretation, und es zwingt einfach die Tatsache, mag sie nun welche immer sein, die hinter dieser Interpretation steht, diese Tatsache zwingt dazu, den Menschen und die Erde als etwas Einheitliches aufzufassen — nicht den Menschen, insofern er ein physisches Wesen ist, als etwas aufzufassen, was man nur für sich ansehen könne. Das kann man eben nicht. Der Mensch ist als physisches Wesen nicht eine Wirklichkeit für sich, sondern er ist ein physisches Wesen mit der ganzen Erde zusammen. Ebensowenig wie Sie eine Hand, die Sie abtrennen vom menschlichen Organismus, als irgend etwas Reales ansehen können - sie stirbt ab, sie ist nur denkbar im Zusammenhange mit dem Organismus -, ebensowenig wie Sie eine Rose, die gepflückt ist, als etwas Reales ansehen können - sie stirbt ab, sie ist nur denkbar im Verein mit dem ganzen in der Erde wurzelnden Rosenstock -, ebensowenig kann man auch den Menschen, wenn man ihn in seiner Ganzheit, Totalität beurteilen will, als bloß in den Grenzen seiner Haut eingeschlossen betrachten.

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