{"corpus":"steiner","locus":"GA 202/1920-12-11/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Mensch ist ja gewissermaßen eingeschaltet zwischen zwei Extremen, zwischen zwei polarischen Gegensätzen. Sie kommen ihm zum Bewußtsein, diese Gegensätze, als die Ordnung der Natur und die Ordnung der sittlichen Welt. Wir haben darauf hingewiesen, wie aus jener Weltanschauung, die in den letzten Jahrhunderten heraufgekommen und immer populärer und populärer geworden ist, eine Brücke nicht gebaut werden kann zwischen der Naturordnung und der moralischen Ordnung im Weltenall. Zwei Eigenschaften des Menschen wird man vor allen Dingen ins Auge fassen müssen, wenn man überhaupt sich den Lebens- und Weltenrätseln nähern will, die zusammenhängen mit diesen polarischen Gegensätzen der Natur und, sagen wir, des Geistes oder eben auch der moralischen Weltenordnung. Der Natur ist der Mensch zweifellos hingegeben; er ist gewissermaßen in Abhängigkeit von der Naturordnung mit Bezug auf sein Seelisches, also auch sein moralisches Wesen. Er ist aber auch darauf angewiesen, wenn er sich als wirklicher Mensch fühlen will, sich aus der bloßen Naturordnung herauszuheben, sich zu fühlen als in einer Weltenordnung stehend, die nicht in der Natur aufgeht, und man wird eigentlich nur auf geisteswissenschaftlichem Wege zu einer klaren Anschauung kommen können über das, was hier zugrunde liegt. Deuten wir zunächst hin auf eine, ich möchte sagen, durchgreifend irrtümliche Anschauung, die den Menschen zu einer Lösung entsprechender Rätsel, die hier verborgen liegen, nicht kommen läßt. Es wird aus alter Tradition heraus von den Menschen geglaubt, daß man einfach zum Verständnis der eigenen menschlichen Wesenheit kommen könne, indem man den Zusammenhang des Geistig-Seelischen mit dem Leiblich-Physischen im Menschen in irgendeiner Weise gegenwärtig, wenn ich so sagen darf, suchen kann. Man stellt sich vor, da sei das leibliche Wesen des Menschen, und in diesem leiblich-physischen Menschenwesen sei das Geistig-Seelische irgendwie darinnen. Und nun sucht man nach dem Zusammenhange. Es ist viel gesucht worden nach diesem Zusammenhange, und ein großer Teil des philosophischen Strebens der Menschheit ist eigentlich darauf aus, diese Frage zu lösen: Welcher Zusammenhang ist zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-12-11","location":null,"word_count":320,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/202/1920-12-11/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/202/1920-12-11/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/202/1920-12-11/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}