Siebenter Vortrag
Da wissen wir, daß der Mensch, bevor er zum physisch-irdischen Erdendasein kommt, in einer geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lebt. Nehmen wir diese Linie an als die Zeit charakterisierend (Pfeil), so haben wir ein geistig-seelisches Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das eben in der Zeitenströmung läuft. Nun bildet sich im Zusammenhange mit denjenigen Tatsachen, die ich gestern versuchte auseinanderzusetzen, innerhalb dieser geistig-seelischen Wesenheit des Menschen im Laufe der Zeit, in welcher sich der Mensch entwickelt ohne physische Leiblichkeit, durch die Vorgänge der geistigen Welt in dem Menschen vor allen Dingen dasjenige heraus, was man nennen kann die Begierde nach physischer Leiblichkeit. Dieses Sich-Fortentwickeln, das wird allmählich Begierde nach physischer Leiblichkeit (rot). Und wenn man den Metamorphosegedanken richtig erfaßt, dann kommt man darauf, daß die Sache so ist: Diese Begierde fließt tatsächlich über in die physische Leiblichkeit (blau), so daß, wenn wir dem Kinde gegenübertreten, wir sagen müssen: Was uns im Kinde erscheint, das ist die Erfüllung der Begierde nach physischer Leiblichkeit, welche das Seelisch-Geistige hatte, bevor es zum physischen Dasein gekommen ist. — Wir sollen nicht gewissermaßen eine Zweiheit sehen in dem Physisch-Leiblichen und in dem Geistig-Seelischen. Wir sollen in dem Physisch-Leiblichen nicht bloß etwas sehen, in das gewissermaßen das Geistig-Seelische hineinschlüpft, sondern wir sollen in dem Physisch-Leiblichen etwas sehen, in das sich das Geistig-Seelische tatsächlich verwandelt.
Cite:
GA 202/1920-12-11/p010 · edition original