Achter Vortrag

GA 202/1920-12-12/p014 ·1920-12-12 · original (original)
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Wir finden Menschen, welche zu der Zeit, die man in der Geschichte gewöhnlich die Zeit der Völkerwanderung nennt, in Europa gelebt haben und ausgewandert sind. Die Seelen dieser Bevölkerungen waren denen ähnlich, die das sich vom Süden nach dem Norden ausbreitende Christentum angenommen haben, Seelen also, die äußerlich in die Christianisierung hineinwuchsen. Diese Seelen, die das Christentum so angenommen haben, wie es in den ersten Jahrhunderten in Europa gelebt hat — und das ist sehr verschieden von dem, wie das Christentum heute lebt -, verkörperten sich nicht etwa wiederum in einer mitteleuropäischen Bevölkerung. Es waren Seelen, die allerdings länger brauchten, um von dem Tode zu einer neuen Geburt zu leben als die amerikanischen Indianerseelen; aber wir haben es ja dafür auch mit Seelen zu tun, die ihr physisches Dasein früher hier durchgemacht haben als jene anderen, die wir als die letzten Indianerseelen, eben die Indianerseelen zur Zeit der Eroberungen, betrachteten. So weit gehen wir dabei zurück. Was das Schicksal der früheren Indianerseelen war, das wollen wir dabei nicht berühren. Diejenigen Seelen aber, die in den ersten christlichen Jahrhunderten in Europa verkörpert waren, die dabei waren, als das Christentum sich kulturell ausgebreitet hat vom Süden nach Norden, die verkörperten sich jetzt mehr nach Asien hinüber. Es zeigt sich das, was ich jetzt beschreibe, besonders deutlich in den Zeiten, in denen die furchtbare Katastrophe des zweiten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts herangenaht ist. Und von ganz besonderer Bedeutung erscheint es der Betrachtungsweise unserer gegenwärtigen Erdenzivilisation, wenn wir sehen, daß namentlich im Japanervolke solche Seelen verkörpert sind; Seelen also, die die besondere Art der Christianisierung in Europa einmal durchgemacht haben, die aber jetzt von Kindheit auf keinen Laut vom Christentum hören, die nur aus dem Unterbewußten heraus eine gewisse Nuancierung des dekadenten Asiatentums durch die damaligen christlichen Impulse in sich tragen, die auch all das heute in sich tragen, was gegen das heutige Europa sich wendet. Es ist ja im wesentlichen ein Ergebnis der ganz in die Dekadenz verfallenen orientalischen Weisheit — die einstmals eine so große war, wie ich es Ihnen geschildert habe - im Zusammenklingen mit den ersten primitiven christlichen Impulsen, wie sie eben entstanden, als in Europa sich das Christentum vom Süden nach dem Norden unter den barbarischen Völkerschaften ausbreitete. So war es im wesentlichen in bezug auf das Gros der Bevölkerung. Allerdings kompliziert sich die Sache dadurch, daß in diese so entstandene Bevölkerung - die Seelen der amerikanischen Urbevölkerung sowie der mitteleuropäischen Bevölkerung zogen beide ostwärts — sich hineinmischten viele einzelne Leiber, die bewohnt wurden von Seelen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten mehr südwärts lebten. Die sind nun auch mitten drinnen in der Bevölkerung, die auf diese Weise entstanden ist, wie ich es jetzt beschrieben habe.

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Cite: GA 202/1920-12-12/p014 · edition original