Zehnter Vortrag
Wenn ich schematisch zeichnen soll (siehe Zeichnung): Man stelle sich vor, daß der Mensch eben aus diesen Substanzen besteht, die man mehr oder weniger als feste findet, Knochensubstanzen und so weiter, also man stellt sich den Menschen vor als gewissermaßen ein aufgebautes Gerüste (weiß). Das andere, was da im Menschen eigentlich Flüssiges ist, wie ich es an dem Beispiel des Gehirnwassers gezeigt habe, was Luftförmiges ist, das betrachtet man, insofern man Anatomie und Physiologie treibt, nicht als zur menschlichen Organisation gehörig. Man sagt sich: Ja, der Mensch zieht die Luft ein, sie macht gewisse Wege in ihm, sie hat auch gewisse Aufgaben. Sie wird wieder ausgeatmet. Man spricht vom Wärmezustand des Menschen, aber man betrachtet im Grunde doch nur das Feste als das Organisierende, und man sieht nicht hin darauf, daß man außer dem, daß man dieses feste Gerüste hat, den ganzen Menschen auch als eine Flüssigkeit, sagen wir, zunächst Flüssigkeitssäule (siehe Zeichnung, blau, T) zu sehen hat, daß derganze Mensch durchsetzt ist mit Luft (rot, II) und daß er durch und durch einen gewissen Wärmezustand hat (gelb, III). Aber einer genaueren Betrachtung gegenüber ergibt sich doch, daß man ebenso, wie man das Feste oder Fest-flüssige als einen Teil, als ein Glied der menschlichen Organisation anzusehen hat, man auch dasjenige, was der Mensch als direkte Flüssigkeit in sich hat, nicht als eine gleichgültige flüssige Masse, sondern als in Organisation, wenn auch fluktuierender, aber doch in Organisation begriffen sich zu denken hat, und daß diese Organisation, das Flüssige, ebenso etwas bedeutet wie die Organisation des Festen.
Cite:
GA 202/1920-12-17/p006 · edition original