Zehnter Vortrag
Noch deutlicher wird das, wenn wir den luftförmigen Organismus, der vom astralischen Leibe durchkraftet ist, ins Auge fassen. Was wir als Luft in uns tragen in einem bestimmten Zeitpunkte, das war ja kurz vorher draußen und wird kurz nachher wiederum draußen sein. Wir stehen in einem fortwährenden Einnehmen und Ausgeben dessen, was da als Luftförmiges in uns ist. Wir können gewissermaßen nur die Luft, die unsere Erde umgibt, als solche in Betracht ziehen und können sagen: sie schiebt sich vor in unseren Organismus, nimmt sich wiederum zurück; aber indem sie sich vorschiebt in unseren Organismus, wird sie unsere Organisation. Wir haben da in dem, was unsere Luftorganisation wird, eigentlich fortwährend einen Organismus, der sich aufbaut aus der ganzen Atmosphäre heraus und wiederum in diese Atmosphäre zurücktritt. Es ist ja tatsächlich so, daß in uns etwas aufgebaut wird bei jedem Einatmungsprozesse, oder wenigstens daß ein Aufbau modifiziert wird bei jedem Einatmungsprozesse. Und ebenso ist ein Abbau, ein teilweiser Abbau wenigstens, bei jedem Ausatmungsprozesse vorhanden. Wir können sagen: In einer gewissen Weise wird unser luftförmiger Organismus mit jedem Atemzuge verändert, nicht gerade neugeboren, aber verändert, ebenso beim Einatmen wie beim Ausatmen. Beim letzteren stirbt er natürlich auch nicht, er verändert sich nur, aber es findet eine fortwährende Wechselbeziehung statt zwischen dem, was wir als luftförmigen Organismus in uns haben, und dem, was die äußere Luft ist. Was man gewöhnlich in den trivialen Vorstellungen als die menschliche Organisation ins Auge faßt, das kann man nur dadurch so, wie man es tut, ins Auge fassen, daß man eben nicht in Betracht zieht, wie der luftförmige Organismus eigentlich im Verhältnis zum festen Organismus nur einen ganz geringen Grad von Verschiedenheit hat.
Cite:
GA 202/1920-12-17/p017 · edition original