Elfter Vortrag

GA 202/1920-12-18/p020 ·1920-12-18 · original (original)
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Was ist dieses kopernikanische Weltenbild? Es ist eigentlich etwas, was nur nach mathematischen Grundsätzen, nach mathematischen Prinzipien und Anschauungen ausgebildet ist, nach mathematisch-mechanischen Anschauungen, können wir sagen. Und wir können dann vergleichen dieses Weltenbild, das sich ja langsam innerhalb der griechischen Weltanschauung vorbereitet hat, die noch immer die Reste früherer Gedankenrichtungen, zum Beispiel im ptolemäischen Weltenbilde gehabt hat, dann aber sich weiter ausgebildet hat zu dem, was eben heute jedem Kinde gelehrt wird als kopernikanisches Weltbild; wir können von diesem Weltbild zurückschauen in alte Zeiten der Menschheit. Da haben wir ein anderes Weltbild. Von dem ist nur zurückgeblieben, was heute jene Traditionen bewahren, die ja auch auf recht dilettantischer Basis stehen, so wie sie heute unter den Menschen figurieren, was als Astrologie und dergleichen existiert. Das ist als Reste alter Astronomie zurückgeblieben, oder es ist wohl auch zurückgeblieben dasjenige, was verknöchert, erstarrt gewisse Geheimgesellschaften, Freimaurergesellschaften und dergleichen in ihren Symbolen haben. Die Leute wissen gemeiniglich nicht, daß das Reste alter Astronomie sind. Aber es war eine andere Astronomie, es war eine Astronomie, welche nicht in demselben Sinne auf bloß mathematischen Prinzipien aufgebaut war, wie es die heutige Astronomie ist, sondern diese alte Astronomie war aus alten hellseherischen Anschauungen heraus entstanden. Man macht sich heute ganz falsche Vorstellungen von der Art und Weise, wie die ältere Menschheit zu ihren astronomischastrologischen Vorstellungen gekommen ist. Sie kam durch gewisse instinktiv-hellseherische Anschauungen des Weltenalls dazu. Es nahmen die ältesten nachatlantischen Völker ebenso Geistgebilde, Geistwesen in den Weltenkörpern wahr, wie heute der Mensch in den Weltenkörpern bloße physische Gebilde sieht. Wenn unter alten Völkern von Weltenkörpern, von Planeten oder Fixsternen gesprochen wurde, wurde von Geistwesen gesprochen. Heute stellt man sich vor, daß die Sonne irgendein brennender Gasball ist, daß sie Licht in die Welt hinausstrahlt, weil sie ein brennender Gasball ist. Die alten Völker haben sich vorgestellt, daß die Sonne ein lebendiges Wesen ist, und sie sahen in dem, was ihren Augen als Sonne erschien, im Grunde genommen nur den äußeren leiblichen Ausdruck für dieses Geistwesen, das sie da draußen, wo die Sonne steht, vermuteten; ebenso für die anderen Himmelskörper. Geistwesen sahen sie. Wir müssen uns vorstellen, daß es eine Zeit gab, welche ziemlich lange vor dem Eintreten des Mysteriums von Golgatha schon zu Ende gegangen ist, wo alles dasjenige, was da draußen im Weltenall eine Sonne, was in den Sternen war, als Geistwesen vorgestellt worden ist; daß dann, ich möchte sagen, eine Zwischenzeit war, wo man nicht recht wußte, wie man sich das vorzustellen habe, wo man auf der einen Seite allerdings die Planeten, die da sind, schon wie etwas Physisches ansah, sie aber doch sich belebt dachte von Seelen. In diesen Zeiten, in denen man nicht mehr gewußt hat, wie das Physische nach und nach in das Seelische übergeht, wie das Seelische nach und nach in das Physische übergeht, wie im Grunde genommen beides eines ist, statuierte man auf der einen Seite ein Physisches, auf der anderen Seite ein Seelisches. Und man dachte es sich ebenso zusammen, wie sich heute die meisten Psychologen noch, wenn sie überhaupt ein Seelisches annehmen, das Seelische und das Physische im Menschen zusammendenken, was ja natürlich zu nichts anderem als zu einem absurden Denken führt; oder wie der psychophysische Parallelismus es annimmt, was ja wiederum nichts anderes ist als ein törichtes Auskunftsmittel über etwas, was man nicht weiß.

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Cite: GA 202/1920-12-18/p020 · edition original