Zwolfter Vortrag

GA 202/1920-12-19/p031 ·1920-12-19 · original (original)
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Derjenige, der durch irgendeine Weltanschauung von der Unvergänglichkeit des Stoffes redet, der vertilgt sowohl die Freiheit nach der einen Seite wie die völlig ausgebildete Liebe nach der anderen Seite. Denn nur dadurch, daß im Menschen Vergangenes ganz vergeht, zum Scheine wird und Zukünftiges neu entsteht, ganz Keim ist, entsteht in ihm sowohl das Gefühl der Liebe, die Hingabe ist an etwas, wozu man nicht gestoßen wird durch das Vergangene, als auch die Freiheit, die ein Handeln ist aus dem, was nicht vorbedingt ist. Freiheit und Liebe sind in Wirklichkeit nur begreifbar für geisteswissenschaftliche Weltanschauung, nicht für eine andere. Wer sich hineingelebt hat in dasjenige, was als Weltenbild im Laufe der letzten Jahrhunderte heraufgekommen ist, der wird auch ermessen können, welche Schwierigkeiten zu überwinden sind gegenüber dem gewohnheitsmäßigen Denken der neueren Menschheit, um mit diesem unbefangenen geisteswissenschaftlichen Denken durchzudringen. Denn es sind in dem modernen naturwissenschaftlichen Weltbilde sozusagen gar keine Anhaltspunkte da, um so weit zu kommen, daß man Freiheit und Liebe wirklich begreifen kann.

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Cite: GA 202/1920-12-19/p031 · edition original