Dreizehnter Vortrag

GA 202/1920-12-23/p010 ·1920-12-23 · original (original)
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Sehen Sie, der Christbaum ist etwas Schönes, etwas, das in sehr anmutendem Sinne zu unserem Gemüte spricht. Aber der Christbaum ist nicht etwas Altes, der Weihnachtsbaum ist kaum zwei Jahrhunderte alt. Er hat sich verhältnismäßig schnell in europäischen Gegenden eingebürgert, aber er ist doch erst in der neueren Zeit zum Schmucke des Weihnachtsfestes entstanden. Was stellt er uns denn eigentlich dar? Er stellt uns die schöne, die liebenswürdige, sympathische Seite desjenigen dar, was auch in einer anderen Weise, in einer weniger sympathischen, in einer weniger anmutigen Weise uns in der neueren Menschheitsentwickelung vor die Seele tritt. Man mag noch so tief forschen nach den Impulsen, aus denen der Weihnachtsbaum in der neueren, neuesten Zeit eigentlich hervorgegangen ist, man wird nur geheimnisvolle Empfindungen finden, aus denen der Weihnachtsbaum entstanden ist. Aber diese geheimnisvollen Empfindungen tendieren alle dahin, daß wir im Weihnachtsbaume doch etwas zu sehen haben wie ein Symbolum des Paradiesesbaumes. Was aber besagt uns dieses? Es besagt uns, daß die Menschen doch immer fremder und fremder geworden sind demjenigen, was sich ihrer Empfindung darbot, als diese Empfindung sich richtete hin nach der Krippe, nach dem Geburtsmysterium des Christus Jesus, nach dem, was im Beginne unserer Zeitrechnung sich zugetragen hat; daß der neueren Menschheit dieses Wiedergeborenwerden des Menschen in der Seele in einer gewissen Weise abhanden gekommen ist und diese neuere Menschheit von dem Christus-Baum, der das Kreuz darstellt, zurückblicken will nach jenem Ursprunge, der noch nichts weiß von dem Christus: nach dem Ursprunge der Erdenmenschheit selber, nach dem natürlichen Ausgangspunkte des Menschheitswerdens, von Christus ab zurück zum Paradiese, von der Feier des Weihnachtstages, des 25. Dezembers, zu der Feier des Adam- und Eva-Festes, des 24. Dezembers.

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Cite: GA 202/1920-12-23/p010 · edition original