Dreizehnter Vortrag

GA 202/1920-12-23/p029 ·1920-12-23 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wer heute von dem Weihnachtsmysterium redet, muß eine Forderung, die in die Zukunft hinein spricht, an die Menschheit stellen. Wir leben in jenen ernsten Zeiten, wo wir uns klar werden müssen, daß wir erst im rechten Sinne wiederum Menschen werden müssen. Wir haben noch nicht errungen dasjenige, was die Magierweisheit ganz verinnerlichte, was die Hirtenfrömmigkeit ganz in die Außenwelt flieBen ließ. Die soziale Frage steht vor den Toren des Menschendaseins furchtbar fordernd. Sie hat Schreckliches gebracht in den letzten Jahren; sie wird immer drohender und drohender, und nur schläfrige Seelen können das Drohende übersehen. Europa schickt sich an, ein Trümmerhaufen der Kultur zu werden. Nicht anders wird es sich aus seinem chaotischen Zustande erheben als dadurch, daß die Menschen die Möglichkeit finden, im sozialen Zusammensein wiederum echtes, wahres Menschentum zu entwickeln. Sie werden es nicht anders entwickeln, als wenn sie ihre Gefühle dadurch vertiefen und verinnerlichen, daß sie im Naturbetrachten so fromm werden können, wie die Hirten auf dem Felde waren, als ihnen durch ihre innerlichen Kräfte der Engel verkündete von der Offenbarung der Götter oben und des Erdenfriedens unten. Mit diesen Kräften allein bezwingt man auch das soziale Leben, und nur dann, wenn das, was in den Raumesweiten und in der Zeitenfolge geschaut wird, in das Innere einzieht, so daß der Mensch des Weltengeistes wahres Wesen so einheitlich sieht, wie die eine Sonne der Chinese ebenso sieht wie der Amerikaner und in der Mitte zwischen beiden der Europäer. So wie es lächerlich wäre, wenn der Chinese eine Sonne für sich in Anspruch nehmen würde, der Russe eine Sonne für sich, der Mitteleuropäer eine andere, der Franzose eine andere, der Engländer eine andere! Wie die Sonne eine einheitliche ist, so ist das die Menschen tragende Sonnenwesen ein einheitliches.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/202/1920-12-23/p029.json
Cite: GA 202/1920-12-23/p029 · edition original