Neunter Vortrag
Man kann also sagen: Während heute die Menschheit so lebt, wie sie eben lebt, daß sie sich autoritativ die Wissenschaften von den verschiedenen Anstalten aus vorbringen läßt, besteht schon in den geistigen Welten ein heiliges Gebot: Daß ergänzt werden muß die äußere Wissenschaft durch die Wissenschaft von der Erkenntnis des Menschen. — Und unglücklich muß die Menschheit werden, wenn sie nur äußere Wissenschaft empfängt. In den alten Zeiten waren die Mysterien dazu da, daß man an die Menschen das nicht hat herankornmen lassen, was den Menschen schädlich war. Das ist aber mit dem Geiste der modernen Menschheit nicht verträglich, daher muß diese Menschheit in ihren bewußten Exemplaren das besorgen, was früher von äußeren Gewalten besorgt worden ist. Die Menschheit muß durch diejenigen Persönlichkeiten, die etwas von diesen Dingen verstehen lernen, besorgen, daß die einzelnen Wissenschaften ihre Schatten nicht werfen können, indem diesem Schattenwerfen, durch das die Menschheit verfinstert werden würde, entgegengebracht wird das Licht wirklicher, wahrer, konkreter Selbsterkenntnis des Menschen. Wissenschaften ohne menschliche Selbsterkenntnis sind schädlich, denn sie verahrimanisieren die Menschheit. Wissenschaften mit dem Gegenbilde menschlicher Selbsterkenntnis sind eine Wohltat für die Menschheit, denn sie führen die Menschheit wirklich zu dem, wozu diese Menschheit kommen soll in der nächsten Zeit. Keine Wissenschaft darf es geben, die nicht in irgendeine Beziehung zum Menschen gerückt wird. Keine Wissenschaft darf es geben, die nicht verfolgt wird bis in das Innerste des Menschen hinein, wo sie, wenn man sie dahinein verfolgt, erst ihren rechten Sinn erhält.
Cite:
GA 203/1921-01-30/p024 · edition original