Neunter Vortrag

GA 203/1921-01-30/p037 ·1921-01-30 · original (original)
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Auf der anderen Seite, im sozialen Leben, in dem die Menschen ohne kosmisches Gefühl hier ihre Erdenforderungen aufstellen, da finden tatsächlich, indem die Menschen nur reden von diesen ihren Erdenforderungen, ohne daß sie sich durchdringen, durchglühen, durchfeuern mit dem kosmischen Bewußtsein, da finden die luziferischen Wesenheiten ihre Rechnung. Da sehen wir, wie Luzifer lebt. Da kann ich nicht dieses Bild gebrauchen, das ein Bild ist, das aber als Bild tatsächlich aus den richtigen ahrimanischen Vorstellungen herausgeboren ist, das Bild des verknöcherten, schleichenden, glatzköpfigen Ahriman, der die Bildungsanstalten umschleicht und will, daß sie so bleiben. Dieses Bild würde für das luziferische Wesen nicht treffend sein. Aber ein anderes Bild ist treffend: Lassen Sie überall aus dem bloßen Egoismus heraus, aus dem Nichtvorhandensein eines kosmischen Gefühles heraus, lassen Sie da noch guten Willen und gutgeglaubte soziale Begierden sich aussprechen, dann entringt sich dem, was da redet, das luziferische Wesen. Mit diesen sozialen Forderungen, die ohne kosmisches Gefühl in der Welt erregt werden, speit der Mensch das aus sich aus, was dann zum schönen Luzifer wird. In den Menschen selber lebt er, in ihren durch die sozialen Mißinstinkte verdorbenen Mägen - das aber geistig gefaßt -, in ihren verdorbenen Lungen, da lebt der luziferische Quell. Er ringt sich los, der Mensch speit ihn aus aus seinem ganzen Wesen, und dadurch ist angefüllt mit diesem luziferischen Wesen unsere geistige Luft, angefüllt mit nicht vom Gefühl des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos erfühlten sozialen Instinkten. Der um unsere abstrakte Bildung herumschleichende kahle Ahriman, der lange, der skeletthafte, der hagere auf der einen Seite, auf der anderen Seite das, was sich aus dem Menschen selber zunächst schleimig herauswindet und den Schein der Schönheit annimmt und damit den Menschen betört, es sind Bilder, aber es sind Realitäten unserer Zeit. Und nur durch Selbsterkenntnis und nur durch ein Gefühl des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos findet der Mensch das Gleichgewicht zwischen dem Verknöcherten und dem Schein des Schönen, zwischen dem Knochenwesen und dem Schleimwesen, zwischen dem, was ihn umschleicht und dem, was aus ihm selber heraus sich entringen will. Und dieses Äquilibrium, dieses Gleichgewicht, er muß es finden. Was uns aus der Kultur, aus der Zivilisation der letzten Zeiten geworden ist, das ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was man ansprechen könnte als die Ehe zwischen dem Knöchernen und dem Schleimigen. In diesem Leben lebt der Mensch so drinnen, daß die Zivilisation Ins Spenglersche, in den Niedergang hineingeht. Denn im Grunde genommen konnte Spengler seine Welt nur so schildern, wie er sie schildert, weil er die Welt vor sich hat, die aus der Ehe entstanden ist des Verknöcherten mit dem Verschleimten. Aber der Mensch muß das Äquilibrium finden.

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Cite: GA 203/1921-01-30/p037 · edition original