Neunter Vortrag
Ernst sind die Zeiten, denn der Mensch muß Mensch werden. Er muß lernen abzutun sowohl den Knöchernen wie den Schleimigen und muß Mensch werden, Mensch werden so, daß der Intellekt durchwärmt werde vom Herzen, das Herz durchzogen werde vom Intellekt. Dann wird er das Äquilibrium finden. Und in der Tat wird dann der Mensch weder verfallen - wenn man geistig sprechen will - schleimiger Mystik noch kahlköpfiger Wissenschaft, sondern dem wird er sich öffnen, was Mensch ist, und was ich vielleicht nennen darf, nachdem ich es charakterisiert habe, das Anthroposophische. Das steht mitten drinnen, das wirklich Menschliche, das Anthroposophische, es steht wirklich mitten drinnen zwischen diesen Gegensätzen, in welche die Zivilisation allmählich hineingekommen ist. Der Anthropos ist in Wahrheit, wenn er sein Wesen wirklich offenbart, weder der Verknöcherte noch der Schleimige, sondern er ist derjenige, der das Äquilibrium zwischen dem Intellekt und dem Herzen hält. Das muß gesucht werden.
Cite:
GA 203/1921-01-30/p038 · edition original