Erster Vortrag

GA 204/1921-04-02_02/p007 ·1921-04-02 · original (original)
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Was liegt denn eigentlich da vor? Nun, wenn wir zurückblicken in die Menschheitsentwickelung und an der Hand desjenigen, was ich in der «Geheimwissenschaft im Umriß» angegeben habe, ziemlich weit zurückblicken, dann müssen wir sagen: Dieses Menschenwesen hat die verschiedensten Stadien durchgemacht. - Wir brauchen uns ja nur zu beschränken auf dasjenige, was das Menschenwesen im Laufe der Erdenentwickelung selber durchgemacht hat, und wir werden uns sagen müssen: Dieses Menschenwesen ging im Verlauf der Erdenentwickelung von einer allerdings im Verhältnis zu seiner heutigen Gestaltung primitiven Bildungsform aus, wandelte dann diese Bildungsform um und kam immer näher und näher derjenigen Gestalt, die eben der Mensch heute hat. Solange man im groben der menschlichen Gestaltung bleibt, so lange wird man, wenn man das geschichtliche Dasein des Menschen verfolgt, die Unterschiede nicht so außerordentlich groß finden. Wer etwa nach den Mitteln, die für die äußere Geschichte vorhanden sind, die Gestalt eines alten Ägypters oder selbst eines alten Inders vergleichen will mit der Gestaltung eines Menschen der heutigen europäischen Zivilisation, der wird nur verhältnismäßig kleine Unterschiede finden, wenn er eben durchaus im gröberen der Betrachtung bleibt. In bezug auf dieses gröbere der Betrachtung treten ja die großen Unterschiede gegenüber den primitiven Bildungsformen, die der Urmensch gehabt hat, erst hervor in den Zeiten, die weit hinter den geschichtlichen zurückliegen. Aber wenn wir ins feinere hineingehen, wenn wit in das hineingehen, was sich allerdings den äußeren Blicken verbirgt, dann gilt das nicht mehr, was ich eben gesagt habe, dann muß man durchaus sagen: Zwischen dem Organismus eines heutigen Zivilisationsmenschen und dem Organismus eines alten Ägypters oder selbst eines alten Griechen oder Römers ist ein großer, ein bedeutsamer Unterschied. Und wenn auch die Umwandlung in viel feinerer Weise sich vollzogen hat in geschichtlichen Zeiten, so hat sie sich eben doch in bezug auf alle feinere Gestaltung des menschlichen Organismus vollzogen. Und was sich da vollzogen hat, das hat eine gewisse Kulmination, einen gewissen Höhepunkt erreicht in der Mitte des 19. Jahrhunderts. So paradox es klingt, es ist durchaus so, daß in bezug auf seine innere Formung, in bezug auf dasjenige, was der menschliche Organismus überhaupt werden kann, der Mensch um die Mitte des 19. Jahrhunderts am vollkommensten war, und daß gerade seit jener Zeit eine Art Dekadenz wiederum eintritt, daß der menschliche Organismus in Rückverwandlung begriffen ist. Daher war es auch in der Mitte des 19. Jahrhunderts so, daß namentlich diejenigen Organe am vollkommensten ausgebildet waren, welche als die physischen Organe der Verstandestätigkeit dienen.

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