Erster Vortrag

GA 204/1921-04-02_02/p008 ·1921-04-02 · original (original)
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Was wir den menschlichen Verstand, den menschlichen Intellekt nennen, das braucht ja physische Organe. Diese physischen Organe waren in früheren Zeiten bei weitem weniger ausgebildet, als sie es in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren. Es ist durchaus so, daß dasjenige, was wir zum Beispiel am Griechen, was wir selbst an solchen vollendeten Griechen bewundern, wie Plato oder Aristoteles es waren, darauf beruht, daß diese Griechen nicht so vollkommene Denkorgane im rein physischen Sinne hatten, wie die Menschen des 19. Jahrhunderts sie hatten. Je nachdem man den Geschmack dazu hat, kann man sagen: Gott sei’s gedankt, daß die Menschen der Griechenzeit nicht so vollkommene Denkorgane hatten wie die Menschen des 19. Jahrhunderts! - Ist man aber ein Nüchterling des 19. Jahrhunderts selber und will man diese Nüchterlingheit beibehalten, dann kann man sagen: Die Griechen waren eben Kinder, die haben noch nicht jene vollkommenen Denkorgane gehabt, die der Mensch des 19. Jahrhunderts hat, und man muß daher mit einer gewissen Nachsicht auf das herunterschauen, was Plato und Aristoteles zutage gefördert haben. - Gymnasiallehrer tun das oftmals, indem sie sich ungeheuer erhaben fühlen in der Kritik über Plato und Aristoteles. Aber verstehen wird man das, was ich jetzt eben angedeutet habe, nur dann vollkommen, wenn man sich bekanntgemacht hat mit Menschen, die es ja auch gibt, welche bis zu einem gewissen Grade eine Art Schauvermögen haben, dasjenige, was man, im besten Sinne des Wortes, eine Art hellseherisches Bewußtsein nennen kann.

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