Erster Vortrag

GA 204/1921-04-02_02/p012 ·1921-04-02 · original (original)
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Man kann, wenn man heute die Menschen betrachtet, die Abstufungen zwischen diesen zwei Extremen überall bemerken. Für denjenigen, der sein Anschauungsvermögen nicht geschult hat, ist es allerdings außerordentlich schwer, zu unterscheiden, ob der andere wirklich gescheit ist in dem Sinne, daß er durch seine Verstandesorgane denkt, oder ob er gar nicht durch seine Verstandesorgane denkt, vielmehr irgendwie etwas herschafft in sein Bewußtsein, und daß nur das, was bildhaft ist, was imaginativ ist, sich bei ihm entwickelt, aber so schwach, daß es von ihm selber nicht bemerkt wird. Und so sind alle möglichen Menschen heute vorhanden, die sehr gescheite Gedanken hervorbringen, aber deshalb gar nicht gescheit zu sein brauchen, während andere sehr gescheite Gedanken denken, aber in gar keiner besonderen Weise mit irgendeiner geistigen Welt in Beziehung stehen. Das Einschulen auf diese Unterscheidung, das gehört zu den bedeutsamen psychologischen Aufgaben in unserer Zeit und es liefert die Grundlage zu wichtiger Menschenkenntnis in der Gegenwart. Wenn Sie das zur Erklärung nehmen, so wird es Ihnen nicht mehr so unverständlich sein, daß sich der empirischen übersinnlichen Betrachtung eben ergibt, daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts der menschliche Organismus bei dem Gros der Menschen eben die vollkommensten Denkorgane hatte. Es wurde niemals so ausschließlich viel gedacht wie um die Mitte des 19. Jahrhunderts, und so wenig gescheit wie um diese Zeit.

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