Erster Vortrag
Halten wir das recht gut fest: wir haben des Menschen Realität in seinem Organausbau und wir haben dasjenige, was sich drinnen im Menschen spiegelt. Das ist eigentlich alles, was zunächst der äußeren sinnlichen Beobachtung vorliegt. Bei dieser äußeren sinnlichen Beobachtung liegt also im Grunde das Folgende vor: Diese ganze Struktur des Menschen zerfällt, wenn der Mensch stirbt, zerfällt als Leichnam. Außerdem liegen ihr die Bilder der äußeren Welt vor. Wenn Sie den Spiegel zerbrechen, kann sich nichts mehr spiegeln; die Bilder sind also auch vergangen, wenn der Mensch durch den Tod geht. Ist es also nicht natürlich, daß da der äußeren sinnlich-physischen Beobachtung nichts anderes vorliegt als das, was ich eben angeführt habe, daß da gesagt werden muß: Mit dem Tode zerfällt die physische Struktur des Menschen? - Die spiegelte früher die Außenwelt. Was der Mensch in der Seele trägt, ist Spiegelbild; das vergeht aber. Diese Tatsache stellte einfach der Materialismus des 19. Jahrhunderts hin. Er mußte sie hinstellen, weil er schließlich von anderem nichts wußte. Nun wird die Sache schon anders, wenn man ein wenig eingeht auf das menschliche geistige und seelische Leben selber. Da aber betreten wir schon ein Gebiet, wohin die physisch-sinnliche Beobachtung nicht dringen kann.
Cite:
GA 204/1921-04-02_02/p020 · edition original