Dritter Vortrag

GA 204/1921-04-09/p013 ·1921-04-09 · original (original)
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Es ist merkwürdig, welche kuriose Angst viele Vertreter der gegenwärtigen traditionellen Glaubensbekenntnisse davor haben, daß irgend jemand dahinterkommen könnte, daß ein solches eindringliches Wissen in der damaligen Zeit bestanden hatte, ein Wissen, das zu feinen Begriffen kam, wenn diese, wie gesagt, auch mehr in instinktiven Bildern angeschaut und in Sprachformen ausgedrückt wurden, für deren Erfassung heute wenig Empfinden vorhanden ist. Von dem, was Gnosis genannt wird, soll unsere Anthroposophie keine Erneuerung sein; aber unsere Anthroposophie ist der Weg, in das Wesen dieser Gnosis hineinzublicken. Und wie unsere Anthroposophie, trotzdem sie in bezug auf ihre Quellen nichts gemein hat mit den alten indischen Philosophien, wie sie trotzdem in das Eindringliche, Großartige, aus den Dingen Herausfließende der Vedanta- oder Sankhya- oder der Jogaphilosophie eindringen kann, weil sie in bewußter Weise die Regionen der Welt wieder erreicht, die dazumal instinktiv erreicht worden sind, geradeso kann sie auch eindringen, unsere Anthroposophie, in das Wesen der Gnosis. Jene Gnosis ist ja durch gewisse Sekten der ersten christlichen Jahrhunderte ausgetilgt worden, so daß historisch sehr wenig Gnostisches vorhanden ist, und die Gnosis der neueren Menschheit eigentlich nur durch die Schriften derjenigen bekanntgeworden ist, die sie widerlegen wollten, und die daher Zitate aus den schriftlichen Aufzeichnungen in ihren Gegenschriften haben, während die ursprünglichen Schriften selbst verlorengegangen sind; so ist die Gnosis eigentlich nur auf die Nachwelt gekommen durch die Schriften der Gegner, die natürlich nur zitiert haben, was sie entsprechend ihrer Klugheit zu zitieren angemessen fanden.

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Cite: GA 204/1921-04-09/p013 · edition original