{"corpus":"steiner","locus":"GA 204/1921-04-09/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dem, was da dogmatisch festgesetzt worden ist, geht jener Entwickelungsprozeß parallel, von dem ich eben jetzt gesprochen habe. Für den, der die Entwickelung der abendländischen Zivilisation studiert von den ersten christlichen Jahrhunderten herauf, wo so vieles noch gnostisch durchdrungen war, bis ins 4., 5. Jahrhundert der nachchristlichen Zeit herein, ist es eine außerordentlich interessante Tatsache, dieses Abklingen des Logosbegriffs zu erfahren. Und als dann später die Evangelien übersetzt wurden, da war selbstverständlich in diese Übersetzung nichts hineinzubringen von einer Empfindung für den Logosbegriff, wie er in den acht Jahrhunderten, in deren Mitte das Ereignis von Golgatha liegt, innerhalb der vorchristlichen Menschheit gewaltet hat. Man muß diese Eigentümlichkeit jenes Zeitalters, aus dem das Christentum sich herausgebildet hat, auch durch solche Intimitäten studieren. Man möchte heute durchaus mit leichtgeschürzten Begriffen, mit den Begriffen, die man sich leicht aneignet, die schwierigsten Probleme lösen. Allein solche geschichtlichen Probleme, wie das von dem ich Ihnen eben gesprochen habe, lassen sich nur lösen, wenn man die Vorbereitung zur Lösung im Aneignen von ganz bestimmten Nuancen des menschlichen Seelenlebens sucht, wenn man von der ehrlichen Voraussetzung ausgehen will, daß wir einfach in der gegenwärtigen Zeit in der allgemeinen Kultur jene Nuance nicht im Seelenerleben haben, die zum Logosbegriff, wie er im Johannes-Evangelium gemeint ist, hingeht. Daher dürfen wir nicht mit dem Wortschatz, mit dem Begriffsschatz der Gegenwart das Johannes-Evangelium verstehen wollen. Wenn wir mit diesem Begriffsschatze der Gegenwart das Johannes-Evangelium verstehen wollen, dann diktiert uns von vorneherein die Oberflächlichkeit. Es ist etwas, was durchaus mit wachem Seelenauge durchschaut werden muß, was auch historisch auf solchen Gebieten zu leisten ist, denn mit Bezug auf die Historie dieser Gebiete steht es eigentlich recht böse in der Gegenwart. Ich habe erst in diesen Tagen wiederum eine außerordentlich bedeutsame Tatsache vor meine Seele treten lassen müssen in bezug auf dieses Kapitel.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-04-09","location":null,"word_count":300,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/204/1921-04-09/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/204/1921-04-09/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/204/1921-04-09/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}