{"corpus":"steiner","locus":"GA 204/1921-04-16/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Warum mußte denn in der Weltenentwickelung dieses Griechentum krank werden und dann im Grunde genommen absterben? Man möchte sagen, in diesem Krankwerden und Absterben des alten Griechenvolkes liegt ein bedeutsames weltgeschichtliches Mysterium. Ja, dieses Griechenvolk sah noch mit dem, was es als einen Nachklang der alten orientalischen Weltanschauung herüberbekommen hatte, den seelisch-geistigen Menschen in seinem vollen Lichte. Und in den älteren Zeiten der griechischen Kultur sah sich doch jeder Mensch an als ein seelisch-geistiges Wesen, das aus geistigen Welten durch die Geburt oder durch die Empfängnis heruntergestiegen ist, das seine Heimat hat in übersinnlicher Sphäre, das berufen ist zu übersinnlichen Sphären. Aber es fühlte zu gleicher Zeit, dieses Griechenland, selbst noch in seiner Blütezeit - ich habe das oftmals erwähnt - seinen weltgeschichtlichen Niedergang. Es fühlte, daß der Mensch nicht Mensch werden kann auf der Erde durch dieses Hinaufschauen, durch dieses alleinige Hinaufschauen in übersinnliche Welten. Es fühlte sozusagen sich umschlungen und durchdrungen von den irdischen Mächten. Daher jener uralte griechische Spruch: Besser ein Bettler zu sein in der sinnlichen Welt, als ein König im Reiche der Schatten. - Der Grieche hatte in seinen alten Zeiten noch allen Glanz der übersinnlichen Welt geschaut; aber er hat zu gleicher Zeit dadurch, daß er in diesem Griechenland ganz Mensch wurde, gefühlt, wie er ihn nicht erhalten kann, diesen Glanz der geistigen Welten, wie er ihm verlorenging, und wie sein Seelisches verstrickt wurde in die irdischen Dinge, und er fürchtete sich gewissermaßen vor dem Sterben deshalb, weil die Seele durch das Leben zwischen Geburt und Tod entfremdet werden kann ihrer übersinnlichen Heimat. Man muß das Griechentum durchaus nach diesem Gefühle schildern.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-04-16","location":null,"word_count":268,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/204/1921-04-16/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/204/1921-04-16/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/204/1921-04-16/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}