Zehnter Vortrag

GA 204/1921-04-29/p014 ·1921-04-29 · original (original)
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Von anderer Seite her ist gesehen worden, wie das Denken schattenhaft wird, und daher ist im Jesuitenorden eine Methode geschaffen worden, welche von einer gewissen Seite her Leben in dieses Denken hineinbringt. Die jesuitischen Exerzitien gehen darauf hinaus, Leben in dieses Denken hineinzubringen. Aber sie tun es, indem sie altes Leben wiederum erneuern, indem sie vor allen Dingen nicht auf die Imagination hin und dutch die Imagination arbeiten, sondern durch den Willen arbeiten, der ja insbesondere in den jesuitischen Exerzitien eine große Rolle spielt. Die Menschheit der Gegenwart sollte begreifen und begreift viel zuwenig, wie in einer solchen Gemeinschaft, wie es die jesuitische ist, alles Seelenleben etwas radikal anderes wird, als es bei den anderen Menschen ist. Die anderen Menschen der Gegenwart sind alle im Grunde genommen in anderer Seelenverfassung als diejenigen, die Jesuiten werden. Die Jesuiten arbeiten aus einem Weltenwillen heraus, das ist nicht zu leugnen. Sie sehen daher gewisse Zusammenhänge, die da sind, und höchstens werden solche Zusammenhänge von manchen anderen Orden noch gesehen, die wiederum von den Jesuiten bis aufs Messer bekämpft werden. Aber dieses Bedeutungsvolle, wodurch Realität hineinkommt in das schattenhafte Denken, das ist es, was den Jesuiten zu einem Menschen anderer Art macht, als es die modernen Zivilisationsmenschen sind, die überhaupt nurmehr in Schattenbildern denken und daher im Grunde genommen schlafen, weil das Denken nicht ergreift ihren Organismus, weil es nicht vibriert in ihrem Blute, weil es nicht eigentlich wirklich durchflutet ihr Nervensystem.

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