{"corpus":"steiner","locus":"GA 204/1921-04-30/p021","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nehmen Sie jetzt andere Völker der modernen Zivilisation; nehmen Sie dasjenige, was vom lateinisch-romanischen Elemente geblieben ist, was also das Romanisch-Lateinische vom vierten nachatlantischen Zeitraum herübergetragen hat, was gewissermaßen als Erbgut herübergebracht hat die alte Verstandesseelenkultur im Zeitalter der Bewußtseinsseele. Seine Kulmination, seinen Höhepunkt hat ja das, was da noch vorhanden war an Leben der Verstandesseele, in der Französischen Revolution am Ende des 18. Jahrhunderts gefunden. Wir sehen, wie da plötzlich in äußerster Abstraktion auftauchen die Ideale von «Freiheit», «Gleichheit», «Brüderlichkeit». Wir sehen, wie sie ergriffen werden von solchen Skeptikern wie Voltaire, von solchen Enthusiasten wie Rousseau, wir sehen, wie sie überhaupt auftauchen aus der breiten Masse des Volkes; wir sehen, wie die Abstraktion, die vollberechtigt ist auf diesem Gebiete, hier eingreift in das Gefüge der sozialen Struktur - eine ganz andere Entwickelung als drüben in England. In England die Überreste des altgermanischen patriatchalischen Lebens, durchsetzt von dem, was die moderne Technik, was das moderne materialistische wissenschaftliche Leben in die soziale Struktur hineinsenden konnte, in Frankreich alles Überlieferung, alles Tradition. Man möchte sagen: Mit demselben Duktus, mit dem einstmals ein Brutus oder Cäsar in Rom in den verschiedensten Schattierungen gewirkt haben, mit demselben Duktus wird jetzt die Französische Revolution in Szene gesetzt. So taucht wiederum auf in abstrakten Formen das, was Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ist. Und nicht von außen herein wird da zersprengt, wie in England, dasjenige, was als altes patriarchalisches Element vorhanden ist, sondern das romanisch-juristische Festsetzen, das Festhalten an dem alten Eigentumsbegriff, an den Grundbesitzerverhältnissen und so weiter, an den Erbschaftsverhältnissen namentlich, das, was römisch-juristisch festgesetzt ist, wird von der Abstraktion her zersetzt, wird von der Abstraktion her auseinandergetrieben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-04-30","location":null,"word_count":272,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/204/1921-04-30/p021","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/204/1921-04-30/p021"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/204/1921-04-30/p021","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}