Psychoanalysis in the Light of Anthroposophy
Nun muß man, wenn man wirklich die einschlägigen Verhältnisse kennenlernen will, sich einlassen auf Methoden, durch die man eine Anschauung gewinnen kann über diese Dinge. Wenn die Methoden entsprechend ausgebildet werden, die ich beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», so verstärkt sich, erkraftet sich die menschliche Erkenntnis — ich wiederhole hier einiges von dem, was ich ja auch schon in öffentlichen Vorträgen drüben im Bau im Herbste auseinandergesetzt habe -, es verstärkt sich die gewöhnliche Erkenntnis, die wir haben, durch die wir hinausschauen durch die Sinne in die Umwelt und durch die wir hineinblicken in unser Inneres, wo wir dann unser Denken, Fühlen, Wollen zunächst überblicken. Und wenn wir diese Erkenntnis erweitern, wenn wir sie so erweitern, wie das eben durch die Übungen möglich ist, die oftmals beschrieben worden sind, dann verändert sich zunächst unser Anblick gegenüber der äußeren Welt, und zwar so, daß sich uns als Nächstes dieses ergibt: Man sieht ein, es ist ein völliger Unsinn, so von Atomen zu reden, wie es die gegenwärtige Weltanschauung tut. Dasjenige, was da hinter den Sinnesanschauungen ist, hinter den Sinnesqualitäten, hinter Gelb, Rot, hinter Cis, hinter G und so weiter, das sind nicht Schwingungen, sondern das ist geistige Wesenhaftigkeit. Die Welt nach außen hin wird immer geistiger, je weiter wir in der Erkenntnis vordringen. So daß man wirklich aufhört, alle jene Konstruktionen ernst zu nehmen, welche aus chemischen oder sonstigen Vorstellungen geholt sind. Aller Atomismus wird einem gründlich ausgetrieben, wenn man die Erkenntnis nach außen erweitert. Hinter den Sinneserscheinungen ist geistige Welt. Wenn wir dagegen durch solch eine erweiterte Erkenntnis tiefer in das Innere hineinblicken, dann tritt - ich habe schon gestern darauf hingewiesen - nicht jenes verworrene mystische Schauen auf, das ja allerdings einen Übergang bildet, das seine gute Berechtigung hat, das aber so erklärt werden muß, wie ich das gestern getan habe, sondern es tritt auf, wenn die Erkenntnis nach dem Inneren hin sich entwickelt, eine psychische Erkenntnis der Organe. Wir lernen wirklich unser Inneres erkennen. Während nach außen unsere Erkenntnis sich immer mehr spiritualisiert, materialisiert sie sich zunächst nach dem Inneren zu. Nach dem Inneren zu wird nicht der nebulose Mystiker, sondern der wirkliche Geistesforscher eben die einzelnen Organe erkennen lernen; er lernt den differenzierten menschlichen Organismus kennen. Wir gelangen nicht anders in die geistige Welt als auf dem Umwege durch das Anschauen unserer inneren Materialität. Ohne daß man Lunge, Leber und so weiter kennenlernt, lernt man auch nicht auf dem Umwege durch das Innere irgendeinen geistigen Enthusiasmus kennen, der also aus der Verworrenheit der gewöhnlichen Mystik herausarbeitet und zu einer konkreten Erkenntnis der inneren Organe des Menschen hinarbeitet.
Cite:
GA 205/1921-07-02/p005 · edition original