Psychoanalysis in the Light of Anthroposophy
Das ist dasjenige, was im wesentlichen aus dem Kosmos herein die Mutter bestimmt. Durch den Vater und die Befruchtung kommt dasjenige, was im physischen Leibe konfiguriert ist und was im Ich ist. Dieses Ich geht, so wie es dann ist, nach der Mitternachtsstunde des Daseins eigentlich in eine ganz andere Welt über. Es geht in diejenige Welt über, durch die es dann diesen Weg nehmen kann durch die väterliche Natur. Das ist ein außerordentlich bedeutsamer Vorgang. Es ist wirklich so, daß die Zeit bis zur Mitternachtsstunde und von der Mitternachtsstunde an — beide Teile sind ja zwischen Tod und neuer Geburt - eigentlich sehr verschieden sind voneinander. Ich habe diese Erlebnisse in meinem Wiener Vortragszyklus von 1914 von innen aus geschildert. Wenn wir sie mehr von außen anschauen, müssen wir eben sagen: Das Ich wird in der ersten Hälfte, bis zur Mitternachtsstunde, mehr kosmisch und bereitet dasjenige vor im Kosmos, was dann auf dem Umwege durch die Mutter in die nächste Inkarnation hineingeht. Und von der Mitternachtsstunde des Daseins bis zur nächsten Geburt geht das Ich in dasjenige über, was eigentlich in den alten Mysterien Unterwelt genannt wurde, und auf dem Umwege durch diese Unterwelt nimmt es den Weg durch die Befruchtung. Und da kommen im Grunde genommen die zwei Pole des Menschen zusammen durch die Mutter und den Vater, von der Oberwelt und von der Unterwelt. Dieses, was ich jetzt sage, war aus der instinktiven älteren Erkenntnis heraus, wenigstens soviel mir bekannt ist, ein wesentlicher Inhalt der ägyptischen Mysterien. Die ägyptischen Mysterien führten ja ganz besonders die Menschen zu der Erkenntnis gerade dessen, was sie damals die oberen und die unteren Götter nannten, die obere und die untere Götterwelt. Und man kann schon sagen, in dem Befruchtungsakte vollzieht sich ein polarischer Ausgleich der oberen und der unteren Götterwelt, und das Ich geht zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zuerst durch diese obere Welt und dann durch die untere Welt. Es ist durchaus in älteren Zeiten nicht diese eigentümliche Nuance schon dagewesen, die heute manche verbinden mit Ober- und Unterwelt. Die obere ist bei den heutigen Menschen immer die gute, und die untere ist immer die schlechte. Diese Nuance war ursprünglich nicht damit verbunden, sondern es waren eben nur die zwei Polaritäten, die an der Gesamtweltbildung teilnehmen mußten. So daß man in der unmittelbaren Erfahrung die Oberwelt mehr als die Lichtwelt wahrnahm, schaute, die untere Welt mehr als die Welt der Schwere: Schwere und Licht als die beiden Polaritäten, mehr nach außen die Sache ausgedrückt. So sehen Sie, daß man im Konkreten die Dinge schildern kann.,/p>   
Cite:
GA 205/1921-07-02/p019 · edition original