Psychoanalysis in the Light of Anthroposophy

GA 205/1921-07-02/p020 ·1921-07-02 · original (original)
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Ich habe Ihnen für die andern Organe gesagt, daß das Ausfließen halluzinatorisches Leben werden kann, insbesondere was aus dem Lebersystem herausgepreßt wird. Wenn aber das Herz seinen Inhalt auspreßt, dann ist es also eigentlich das System von Kräften, herausgedrängt und ins Bewußtsein gebracht, das in der nächsten Inkarnation jene eigentümliche Veranlagung, sein Karma auszuleben, hervorruft. Wenn man beobachtet, wie das Karma sich auswirkt, so kann man ja sagen: Es läßt sich eigentlich dieses Ausleben des Karma von der Seite der Menschen nur schildern wie eine Art von Hunger und Sättigung. — Das muß man so auffassen. Gehen wir zunächst vom Standpunkt der gewöhnlichen Lebensanschauung aus, nehmen wir ein markantes Ereignis: Eine Frau begegnet einem Mann und fängt an, ihn zu lieben. - Nun ja, das ist wirklich ungefähr so angesehen, wie wenn Sie aus der Sixtinischen Madonna ein Stückchen herausschneiden würden, zum Beispiel gerade ein Fingerchen vom Jesusknaben herausschneiden und das anschauen würden. Sie haben natürlich ein Stück von der Sixtinischen Madonna, aber Sie sehen nichts. So sehen Sie auch nichts, wenn Sie anschauen: Eine Frau begegnet einem Mann und fängt an, ihn zu lieben. - Denn so ist es nicht, das muß man nach vorne zurückverfolgen. Bevor die Frau an den Mann herangekommen ist, ist sie an andere Orte der Welt gegangen, ist früher woanders gewesen, noch früher wieder woanders gewesen. Sie können überall Gründe finden, warum die Frau von dem einen Ort zu dem andern gegangen ist. Das verbirgt sich natürlich im Unterbewußten, aber es ist Vernunft darinnen, es ist durchaus Zusammenhang darinnen, und man kann, wenn man zurückgeht bis in die Kindheit, den Weg zurückverfolgen. Die betreffende Frau — dabei soll niemandem etwas aufgemutzt werden -, die geht durchaus die Wege vom Anfange an, die dann landen in dem betreffenden Ereignis. Der Mensch, wenn er geboren wird, hat Hunger, das zu tun, was er tut, und er läßt nicht früher nach, bis die Sättigung kommt. Das Hindrängen zum karmischen Ereignis ist eine Folge eines solchen allgemeinen spirituellen Hungergefühles; man wird hingetrieben. Das ist einmal der ganze Mensch: er hat solche Kräfte in sich zu späteren Ereignissen trotz der Freiheit, die trotzdem vorhanden ist, aber die spielt ja auf einem andern Gebiete. Der Mensch trägt diese Kräfte in sich. Nun, diese Kräfte, die da als ein solcher Hunger sich äußern, der dann zur karmischen Erfüllung führt, diese Kräfte, die so sich ausleben, die werden im Herzen konzentriert. Und wenn sie ausgepreßt werden und also in der jetzigen Inkarnation ins Bewußtsein kommen: sie bleiben deshalb im Herzen doch vorhanden, aber sie kommen ins Bewußtsein herein, es bilden sich Bilder von ihnen, die dann Anregungen bilden; dann gibt das die Tobsucht. Tobsucht ist im Grunde genommen nichts anderes - man kann das in der Realität studieren - als das in dieser Inkarnation verfrühte Ausleben einer Karmakraft für die folgende Inkarnation. Bedenken Sie, wie anders man sich angewöhnen muß, die Weltereignisse anzusehen, wenn man diese Zusammenhänge erfaßt. Natürlich, wenn man ein tobsüchtiger Mensch ist in seiner gegenwärtigen Inkarnation, oder wenn man gar jener König gewesen wäre, der einmal in Spanien regiert hat, so sagt man: Wenn ihm Gott die Welt zu schaffen überlassen haben würde, so würde er es besser gemacht haben. - Und so stellen ja die Leute Fragen, wie: Warum hat Gott die Tobsucht erschaffen? - Es hat die Tobsucht schon ihre ganz guten Gründe, aber alles, was in der Welt wirkt, kann eben auch deplaciert zum Vorschein kommen. Und dieses deplacierte ZumVorschein-Kommen, das in diesem Falle namentlich durch luziferische Kräfte bewirkt wird - alles, was verfrüht bewirkt wird in der Welt, wird durch luziferische Kräfte bewirkt -, dieses Zum-Vorschein-Kommen der karmischen Kräfte der nächsten Inkarnation in einer früheren Inkarnation bildet die Tobsucht. Sie sehen, man kann förmlich in den Abnormitäten eines gegenwärtigen Lebens dasjenige studieren, was sich in die andern Leben hinüber fortsetzen soll.

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